Aussichtspunkt "Gringlee"
Bourscheid©Alfonso Salgueiro

Outdoors passion Mit Rad und Zug von Schloss zu Schloss

5 Minuten

Mit der Kamera und Freunden auf Tour

Der Fotograf Alfonso Salgueiro hat viele Leidenschaften, die er mit Freunden teilt: Abenteuer in der Natur, Radfahren durch die malerischen Landschaften Luxemburgs und natürlich das Festhalten von Orten und Momenten auf dem Weg mit der Kamera. In dieser Geschichte beschreibt Alfonso eine Reise, auf der die Freunde all diese Dinge miteinander verbinden, indem sie mit Rad und Zug durchs Land fahren.

Als ich als Ausländer in Luxemburg ankam, stand ich vor den üblichen Herausforderungen: Freundschaften schließen, sich einer neuen Realität anpassen, einschließlich Arbeit, Studium und Sprachbarrieren.

Fahrrad, Gravel Strecke
Mersch, Larochette©Alfonso Salgueiro

Mit der Zeit stellte ich fest, dass ich mich am besten integrieren konnte, indem ich meinen Leidenschaften nachging und sie mit Gleichgesinnten teilte. Dazu gehören für mich Wandern, Radfahren und die Fotografie. Ich hatte das Glück, dabei wunderbare Menschen aus allen Himmelsrichtungen zu treffen, auch Einheimische.

Die Sinfonie der Eisenbahnen

An diesem Tag möchte ich all diese Leidenschaften zusammenbringen und sie mit Freunden teilen: bei einem Fahrradabenteuer und einem Fotoworkshop „on the road“. Wir treffen uns im hochmodernen Kirchberggebiet, in der Nähe der Pfaffenthaler Standseilbahn. Als wir zum Bahnhof Pfaffenthal hinunterfahren, staune ich wieder einmal über die elegante, effiziente öffentliche Infrastruktur Luxemburgs.


Die Standseilbahn „Funiculaire“ in der Nähe der „Roten Brücke“ verbindet das luxemburgische Eisenbahnnetz mit der Straßenbahn, dem Bus und dem Fahrradweg. Sie ermöglicht es den Fahrgästen, die aus dem Zug kommen, in 63 Sekunden 40 Meter zu überwinden und ihre Reise fortzusetzen.

Die Tatsache, dass alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos sind, macht die Sache noch interessanter. Während wir auf dem Bahnsteig warten, sprechen wir von den öffentlichen Verkehrsmitteln an den Orten, an denen wir gelebt haben. Wir sind uns alle einig, dass die Investitionen in den öffentlichen Verkehr zu den Dingen gehören, die wir an Luxemburg am meisten schätzen.

Von dem Moment an, in dem wir den Bahnsteig betreten haben, umgibt uns eine Symphonie von Geräuschen. Die Durchsagen aus den Lautsprechern, die vorbeifahrenden Züge und der Pfiff des Zugbegleiters schaffen ein einzigartiges Hörerlebnis. Jeder kennt den vertrauten Rhythmus eines fahrenden Zuges: eine Art Diddly-Dum-Takt, vier schnelle Schläge, die sich immer wiederholen. Moderne Eisenbahnen haben dieses Geräusch fast vergessen gemacht, aber die Essenz dieser „Musik der Räder“ ist immer noch da.

Wir finden den Fahrradwagen, gekennzeichnet durch ein weißes Fahrradsymbol auf grünem Grund, steigen ein und verlassen die Hauptstadt. Ehe wir uns versehen, sind wir an unserem Ziel angekommen.

Radfahren macht in der Gruppe am meisten Spaß, auch, wenn die Fitnesslevels unterschiedlich sind; denn man kann gemeinsam innehalten und die Landschaft genießen.

Die Burg Schönfels, deren Geschichte bis ins 12. Jahr-hundert zurückreicht, ist eine der Burgen, die zum „Tal der Sieben Schlösser“ gehören. Zurzeit wird der Turm renoviert. Geplant ist die Einrichtung eines Besucherzentrums sowie eines Wasser- und Forstwirtschaftsmuseums. 

Schloss Schoenfels
Schoenfels©Alfonso Salgueiro

Während wir durch die Bahnhöfe navigieren, um unsere verschiedenen Anschlüsse zu finden, wird deutlich, wie gut alles für Radfahrer ausgelegt ist. Besonders freuen uns die seitlichen Rillen an den Treppen, auf denen man Räder problemlos hinauf- oder hinunterrollen kann. Das Radfahren auf den Bahnsteigen ist aber natürlich streng verboten.

Die Idee, Züge, Radfahren und Fotografie zu kombinieren, kam mir während eines schönen Vormittags, den ich mit meinem guten Freund Eric Engel rund um die Burg Burscheid verbrachte. Eric, ein Luxemburger, ist ein inspirierender Mensch – ein professioneller Musiker, ein ausgezeichneter Fotograf und ein begeisterter Radfahrer. Wir teilen viele Passionen. Es gibt so viel zu wertschätzen: die Zugfahrt, das Radfahren durch das abwechslungsreiche Land, das Einfangen von Schlössern und anderen Landschaftskulissen mit unseren Kameras und das Teilen von Momenten und Gesprächen auf dem Weg.


Die Ruhe auf dem Land

Nachdem wir in Ettelbrück aus dem Zug gestiegen sind, befinden wir uns mitten in der Region Éislek im Norden des Landes. Von Ettelbrück aus wollen wir eine Rundtour mit dem Fahrrad zu einigen der besten Aussichtspunkte rund um die Burg Burscheid machen. Wir starten am Bahnhof und durchqueren die Stadt in Richtung Warken, wo der Anstieg beginnt, der uns durch Wälder und Felder mit leuchtend roten Mohnblumen führt.

Radfahrer im Zug
©Alfonso Salgueiro

Kostenloses, unkompliziertes und nachhaltiges Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Luxemburg ist das erste Land der Welt, das öffentlichen Nahverkehr flächendeckend gratis anbietet. Reisende müssen keine Fahrkarten mehr kaufen, um lokale, regionale und landesweite Züge, Straßenbahnen oder Busse zu benutzen.

Mit dabei ist mein britisch-rumänischer Freund George Adam. Er ist noch nicht lange in Luxemburg, und seine Situation erinnert mich an meine eigene Anfangszeit hier. George, ein erfahrener Langstreckenradfahrer, ist von London nach Luxemburg gefahren, um seine Partnerin zu begleiten. Als ich ihn auf die lange Fahrt anspreche, sagt er: „Es war gar nicht so anstrengend, weil ich es mit zwei guten Freunden gemacht habe.“ Für diesen Sommer plane er eine Reise von Luxemburg nach Lissabon. Unterwegs unterhalten wir uns über Georges Einführung in die Fotografie durch seinen Vater, der ihm beibrachte, wie man Filme entwickelt und Abzüge macht. George sucht mit seinem scharfen Auge nach guten Motiven für das Schloss.

Wir passieren das Dorf Burscheid und genießen dann eine schnelle, landschaftlich reizvolle Abfahrt nach „Bourscheid-Plage“, wo wir anhalten, um die Aussicht zu bewundern, bevor wir nach Lipperscheid weiterfahren. Wir erreichen den Aussichtspunkt „Gringlay“, einen Ort, den ich schon viele Male besucht habe – und er enttäuscht mich nie. George ist zum ersten Mal hier, also bauen wir das Stativ auf, um den Moment festzuhalten, während wir auf der Steinmauer stehen und das schöne Tal der Sauer unter uns überblicken. Die Aussicht ist spektakulär.
 

  • Das ehemalige Kloster Marienthal ist heute unter anderem ein Zentrum für den Nationalen Jugenddienst. 
  • Vom Weiher inmitten des Parks bis zu dem Abenteuerspielplatz für die Jugend, den vielen gemütlichen Bänken und den sauberen Wegen: Im Park von Mersch im Herzen des Luxemburger Guttlands wurde an alles gedacht, damit jeder Besucher seinen Lieblingsplatz findet. 
  • Nachdem wir das Problem eines losen Ventils behoben haben, genießen wir unsere geplante Pause auf Schloss Useldingen, wo wir einen Snack zu uns nehmen und das Gelände erkunden. Wir wollen die besten Perspektiven finden, um die beeindruckende Architektur des Schlosses mit der Kamera einzufangen.
  • Die Burg Burscheid ist die größte Luxemburgs, ein beeindruckendes Bauwerk mit charakteristischen Rundtürmen, das auf einem steilen Felsvorsprung 150 Meter hoch über der Sauer thront.  
Marienthal
Guttland©Alfonso Salgueiro
Park Mersch
Mersch©Alfonso Salgueiro
Burg Bourscheid
Bourscheid©Alfonso Salgueiro
Schloss Useldange
Useldange©Alfonso Salgueiro

Von hier aus folgen wir Feldwegen und genießen eine weitere schnelle, landschaftlich reizvolle Abfahrt nach Michelau. Auf dem Rückweg nach Ettelbrück erzählt uns George eine Anekdote von seiner Radreise von London nach Luxemburg. Eines Abends waren er und seine beiden Freunde in der Nähe der französisch-belgischen Grenze, erschöpft und ohne Essen. Da sie kein Internet hatten, fragten sie einen Freund per SMS nach dem nächsten Ort, an dem sie Lebensmittel kaufen konnten, und radelten zehn Kilometer bis zu einer leider geschlossenen Tankstelle. Nach weiteren zehn Kilometern Rückfahrt in der Dunkelheit schlangen sie das einzige Essen herunter, das sie hatten: Brasilianische Nüsse. Sie gingen hungrig schlafen und mussten am nächsten Morgen 30 Kilometer radeln, um ein Frühstück zu finden. George sagt, es war das beste Brötchen, das er je gegessen hat.

Die Schlösser von Meysemburg und Fels (Larochette) sind von Mersch aus leicht mit dem Fahrrad zu erreichen. Von den verschiedenen Routen, die wir unternommen haben, führt diese im Verhältnis durch mehr Waldgebiete. Besonders im Frühling ist es ein herrliches Erlebnis, auf dem Fahrrad den Geräuschen des Waldes zu lauschen.

Das Schloss Meysemburg befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden, doch bietet die Umrundung der Anlage lohnende Ausblicke. Das Schloss Fels aus dem 11. Jahrhundert thront auf einem Hügel über dem Tal der Weißen Ernz. Die Aussichten von den Hügeln rund um die Burg sind wirklich beeindruckend.

Das „Tal der Sieben Schlösser“

Wir befinden uns im Herzen des luxemburgischen Guttlands. Mersch verfügt über eine eigene Burg, eine von sieben im Tal, die bekanntlich von einem Drachen bewacht wird. Unsere Tour führt und von Mersch aus weiter auf dem Alzette-Radweg. Die Durchquerung des Gemeindeparks von Mersch am frühen Morgen wirkt besonders erfrischend und bietet einen easy Start in den Tag.

Biking, Gravel
Schoenfels©Alfonso Salgueiro

Austausch von Fragen und Tipps, wie wir die Burg Schönfels mit unseren Kameras einfangen können. Sich in aller Ruhe zu bewegen, um verschiedene und einzigartige Blickwinkel zu entdecken, ist der Schlüssel zu persönlichen und unvergesslichen Fotos.

Während wir an Feldern vorbeifahren, auf denen Kühe und Pferde grasen, erreichen wir Schönfels und seine Burg, die seit dem 12. Jahrhundert geschichtsträchtig die Umgebung prägt. Hier machen wir Fotopause und tauschen Tipps aus, wie wir die Burg mit unseren Kameras festhalten können. Ein Ratschlag, den ich weitergebe: Beim Fotografieren langsam machen und klischeehafte Aussichtspunkte vermeiden, wo alle stehen, um das gleiche Bild aufzunehmen. Sich zu bewegen, um verschiedene und einzigartige Blickwinkel zu entdecken, ist ein weiterer Schlüssel zu persönlicheren und unvergesslichen Fotos.

Während wir zur Burg Schönfels hinauf strampeln, erinnert mich mein Freund Nuno Fontes scherzhaft an meine Behauptung, die Strecke sei „nicht zu anstrengend“. Wir verschnaufen, legen auf halber Höhe eine Pause ein, natürlich auch, um die beeindruckende Aussicht auf die Burg von unten zu bewundern.

Wir wollen in Useldingen eine Pause einlegen, aber bei unserer Ankunft stoßen wir auf ein Artilleriegeschütz aus dem Zweiten Weltkrieg und stellen zeitgleich fest, dass Grittas Fahrrad eine Reifenpanne hat. „Es ist ein schlauchloser Reifen“, erklärt Gritta. Glücklicherweise sieht George, dass es sich um ein lockeres Ventil handelt, das nur noch festgezogen werden muss. Wir lachen gemeinsam, denn die meisten von uns sind eher mit traditionellen Schläuchen vertraut und finden das schlauchlose System ein wenig mysteriös.

Nachdem wir das Fahrrad repariert haben, genießen wir unsere Pause auf Schloss Useldingen, wo wir einen Imbiss zu uns nehmen und das Gelände erkunden. Wir wollen den besten Blickwinkel finden, um die beeindruckende Architektur des Schlosses mit der Kamera einzufangen. Während unserer Reise durch das „Tal der Sieben Schlösser“ haben wir mehrere atemberaubende Orte entdeckt. In „Hunnebur“ tränkte der Legende nach Attila der Hunne seine Pferde während seiner Eroberung Westeuropas im fünften Jahrhundert. Wir sind auch auf bezaubernde alte Steinbrücken gestoßen, für die ich eine Vorliebe habe.

Marienthal verdient einen kurzen Halt, um die malerische Umgebung und das alte Kloster zu bewundern, das heute als Asylbewerberheim und Zentrum für die nationale Jugendhilfe genutzt wird. Die alten und neuen Schlösser von Ansemburg sind beeindruckende Bauwerke aus dem 12. bzw. 17. Jahrhundert.

Pfaffenthal, Kirchberg Bahnhof
Pfaffenthal, Kirchberg©Alfonso Salgueiro

Möchten Sie Ihr Fahrrad im Zug mitnehmen? In Luxemburg werden Fahrräder kostenlos befördert, und es ist keine Reservierung dafür erforderlich. Die Mitnahme hängt aber von den verfügbaren Plätzen im Zug ab.

Bei einer kurzen Pause in der Nähe des Schlosses „Septfontaines“ kommen wir ins Gespräch über die verschiedenen Arten, wie Menschen die Natur schätzen. Kamilė Vaupšaitė, aus Litauen, erzählt uns eine faszinierende Geschichte. „Habt ihr jemals vom ,Claude-Glas‘ gehört?“, fragt sie. Wir verneinen alle. Kamilė erklärt, dass im England des 18. Jahrhunderts das „Claude-Glas“, das von dem Dichter Thomas Gray populär gemacht wurde, zur künstlerischen Betrachtung von Landschaften verwendet wurde. Die Benutzer drehten der Landschaft den Rücken zu, weil sie das reflektierte Bild im Spiegel malerischer fanden. Das erinnert mich an moderne Touristen, die Selfies mit dem Rücken zu ikonischen Landschaften machen. Kamilė fügt hinzu, dass diese Art, die Natur zu „genießen“, seinerzeit verspottet wurde.

Synergie der Leidenschaften

Die Barockkirche, die historischen Häuser und das Schloss von Koerich sind weitere wichtige Stationen auf unserer Reise durch das Tal. Zurück am Bahnhof Mersch, fühlen wir uns gestärkt von den wunderbaren Strecken, den kulturellen Erlebnissen und dem persönlichen Austausch. Wir beschließen, einen Kaffee im Bahnhofsrestaurant zu trinken, wo wir schon die leckeren Gerichte bewundert haben, die die Kellner an uns vorbeitransportieren. Der Kaffee ist außergewöhnlich gut, und wir entscheiden uns alle für eine zweite Runde.

Die Nutzung des luxemburgischen öffentlichen Verkehrsnetzes verringert unseren ökologischen Fußabdruck. Der Radsport, den ich seit meiner Jugend liebe, macht mir Freude und hält mich körperlich aktiv. Ich genieße die herrliche Natur und entdecke einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes. Und schließlich schaffe ich durch das Einfangen schöner Szenen und Momente mit meiner Kamera bleibende Erinnerungen. Es ist eine allumfassende Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann, der auf der Suche nach erfüllenden und unterhaltsamen Aktivitäten ist und die Attraktionen kennenlernen will, die Luxemburg zu bieten hat.

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Tipps:

  • Das regionale Fremdenverkehrsamt Éislek bietet Führungen mit qualifizierten Guides für Gruppen durch die Burg Burscheid an.
     

  • Der Eintritt zur Burg Useldingen ist bei eigenständigen Besichtigungen frei, es werden aber auch 90-minütige Führungen angeboten.
     

  • Eine Tour durch das Tal der Sieben Schlösser mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten, der atemberaubenden Natur und den historischen Städten ist ein Muss für jeden, der sein Wissen über Luxemburg erweitern möchte.