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Outdoors Passion Entdeckungsreise durchs Grossherzogtum

4 minutes

Die große Freiheit

Mit dem Reisemagazin „diariesof“ haben die beiden Weltenbummler und Self-Made-Publizisten Anabela und Jorge eine ungeplante Erfolgsgeschichte geschrieben. Von Luxemburg aus erkunden sie mit dem Motorrad den Globus. Mit uns haben sie sich auf einen Ritt durch ihre Heimat begeben.

Grün umgibt uns. Ein Wasserfall plätschert. Dschungel. Wir stehen etwas abseits, beobachten im Stillen. Sonnenstrahlen brechen sich in der Oberfläche der Wasserstelle. Der Mann, Tarzan? Hören wir Affen brüllen in der Ferne? Sind die Geräusche  exotisch? Oder träumen wir? Der Weitgereiste, der nicht Tarzan ist, aber jetzt und hier so wirkt, der den kleinen See mit Lichtung im Guttland durch seine schiere Ausstrahlung und die Geschichten aus aller Welt, die er im imaginären Rucksack dabei hat, in eine regenwaldartige Szene verwandelt, ist Jorge Valente. Lange, lockige, schwarze Haare. Che-Guevara- Bart. Motorradhose. Oberkörper frei. Einnehmendes Lachen.

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Kraftort Hunnebour

Die Lichtung mit See, an der wir uns aufhalten, ist der legendenumwobene Hunnebour. Dem Wasser werden heilende Kräfte zugeschrieben. Wir modernen Outdoormenschen pressen das Wasser vor dem Genuss selbstverständlich einmal durch den Filter. Möglicherweise ist damit die sagenhafte Heilkraft gleich mit weggefiltert. Unglaublich erfrischend ist der Schluck aus der Quelle aber trotzdem. Und heilsam ist der Aufenthalt an diesem am Waldrand liegenden halbschattigen Ort ohnehin.

Neben dem Motorrad-Tarzan Jorge steht seine Frau Anabela. Deutlich zeichnen sich Grübchen vom Lächeln in ihren Mundwinkeln ab. Zurückhaltend-amüsiert beobachtet sie das Treiben ihres Lebens-, Liebens- und Schaffens-Partners. Seit 2004 sind die beiden ein Paar. Jorge (geboren in Luxemburg, portugiesische Wurzeln) und Anabela, die in Portugal zur Welt kam, arbeiteten in verschiedenen Agenturen, als sie 2013 entschieden, eine Auszeit zu nehmen um mit ihrem Motorrad Latein-Amerika zu entdecken.

Zurück in der Heimat Luxemburg kam ihnen die Vorstellung, wieder an den Büroschreibtisch zu müssen, fast schon verrückt vor. Gleichzeitig die Rufe der Freunde und Bekannten, aus den von ihrer Reise mitgebrachten Bildern und Geschichten „etwas“ zu machen.

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No risk, no fun!

Sie kündigten ihre Jobs und starteten eine Crowdfundingaktion, um ein Print-Magazin über ihre Amerikareise zu produzieren. „diariesof“ war in der Welt. Gekommen, um zu bleiben. Sechzehn Ausgaben haben es seitdem in den Druck geschafft. Ein erstaunlicher Erfolg, wenn man sich den hart umkämpften Markt für gedruckte Zeitschriften ansieht. Lernt man die beiden kennen, versteht man, dass der Erfolg fast zwingend war. 

Ihre Neugier, ihre Begeisterung und Warmherzigkeit (auch fremden) Menschen gegenüber ist ansteckend. Dabei sind sie authentisch. Es geht nicht zuerst ums Geldverdienen mit dem Projekt „diariesof“. Es geht ums Geschichtenerzählen. Ums Staunen. Um die Menschen. Nach den Job-Kündigungen ging es gleich mit dem Motorrad auf einen Trip von Portugal durch Asien bis nach Japan. Nach 15 Ausgaben aus aller Welt, aus Georgien, Iran, Kuba und anderen Orten, entdecken sie in Ausgabe 16 nun endlich die abenteuerliche Gegend vor der Haustüre. Sie haben ein Heft über Luxemburg gemacht.

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Begegnungen und andere Abenteuer

Zurück zum Hunnebour. Deswegen sind wir hier. Anabela und Jorge zeigen uns einige der Orte, die sie auf ihrem Roadtrip durch Luxemburg besucht haben. Anabela und Jorge sind Explorer. Wollen in die Kultur eines Landes eintauchen. Natürlich lassen sie sich von gewaltiger Natur beeindrucken. Aber der Outdoorsport ist ihre Sache nicht. Sie müssen sich nichts erwandern. Für sie ist die Natur kein Sportplatz, sondern Begegnungsstätte. Sie können nicht genug bekommen von den Menschen und Völkern, die es zu besuchen gibt. 

Kulturtechniken, zumal alte, sind auch so ein Ding, das es zu bestaunen gilt. Klar, jeder ist beeindruckt, wenn er erlebt, wie in archaisch anmutenden Gegenden Georgiens Weintrauben in riesige im Boden vergrabene Ton-Amphoren geworfen werden, um Wein herzustellen wie vor 1000 Jahren. Aber auch in Luxemburg gibt es Handwerkskunst, die auf uralte Techniken zurückgeht. Man muss nur die Augen offenhalten. Die uralte Wein-Keltermethode im Georgien-Style kann man übrigens auch in Luxemburg erleben. An der Mosel. In Hëttermillen. Aber das nur nebenbei.

Zwischen Hölle und Himmel

In einer unscheinbaren Werkstatt an der Hauptstraße im kleinen Berdorf arbeitet Glasbläserin Pascale Seil seit über 20 Jahren an Kunstwerken aus mundgeblasenem Glas und handwerklich hergestellten, wunderschönen Gebrauchsgegenständen. Überall stehen martialisch aussehende Werkzeuge. Wie das Folterarsenal eines Gruselkabinett-Zahnarztes sehen die Zangen, die zum Bearbeiten des Glases gebraucht werden, aus. Höllenfeuer und die Schönheit der Kunstobjekte stehen dicht an dicht. Bunte Glaskugeln, wie riesige Augen von gigantischen Fantasiewesen, schillernden Drachen vielleicht, blicken uns glänzend an. Uralte Handwerkskunst trifft auf moderne Formsprache. Dieses Studio sollte man definitiv besuchen!

Nur einige hundert Meter weiter liegt das eigentliche Touristenziel. Das Visitor Center der Region Müllerthal in Berdorf. Startpunkt für zahlreiche Wanderungen in die bekannten Schluchten der kleinen „Luxemburger Schweiz“. Ausnahmsweise steigen Anabela und Jorge vom Motorrad. Die Wege in die engen Felsklüfte und über eiserne Hängebrücken wollen sie uns zu Fuß zeigen, bevor es dann doch ein wenig ans Cruisen geht. Luxemburgs Straßen eignen sich perfekt für ausgedehnte Motorradtouren. Der Asphalt ist glatt, und das Tankstellennetz ist unabenteuerlich dicht. Dazu die typischen Alleen mit den weiß gestrichenen Baumstämmen. Am Predigtstuhl (zu sehen auf S.112) legt sich Jorge gekonnt in die Kurve. Das Bike rauscht an den senkrechten Felswänden vorbei und verschwindet im dichten Laubwald. Ein Paradies für Easy Rider.

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Entdeckungen am Wegesrand

„Wir lieben es, uns überraschen zu lassen“, erzählt Anabela. Sie ist hauptsächlich für die Texte zuständig, während Jorge der Designer und Fotograf ist. „Sind wir unterwegs, und es taucht zum Beispiel ein Aussichtsturm auf, bei dem gar nicht wirklich ersichtlich ist, was man denn eigentlich zu sehen bekommt, wenn man ihn besteigt, dann ist das natürlich ein Stopp, und wir sind quasi innerlich gezwungen, das Geheimnis zu lüften. Nehmen wir den Turm am Pumpspeicherwerk Vianden. Total unscheinbar. Und genau deswegen für uns interessant. Wieso baut hier jemand einen Aussichtsturm? Da muss doch etwas dahinterstecken. Klar, das ist keine klassische Touristenattraktion … aber auch so ein Bauwerk – wie dieser künstliche See, der sich plötzlich vor einem auftut, wenn man die Treppen hochsteigt: Er gehört zur Geschichte, zur Kultur eines Landes. Ist interessant. Und es ist doch schade, wenn man es verpasst und einfach vorbeibrettert.“

Schlemmen wie im Mittelalter

„Gebrettert“ wird dann doch noch. Nämlich nach Vianden. Das riesige Schloss, das man gesehen haben muss, lassen wir sprichwörtlich links liegen und fahren auf die Rückseite des Schlossberges, zum Restaurant „Beim Hunn“.

Eine Indoor-Grillstube im Fachwerkhaus. Mutig! Der Duft von Holz, Grillgut und offenem Feuer liegt in der Luft. Dazu ein redseliger und sichtlich stolzer Wirt, der die Gäste immerzu auffordert, sich alles ganz genau anzuschau-en. Aber bitte nicht zu lange mit dem Foto warten! Das Steak muss gewendet werden. Die Gäste haben es blutig bestellt. Bitte schnell machen. Das Fleisch muss perfekt sein. En point. Zurück am Tisch. Der Fotograf glücklich.  Der Gastgeber auch. Das Gericht: auf den Punkt.

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