Winzer Georges Schiltz

© Pancake!

Transforming Experiences Junger, wilder Winzer

4 Minuten

Im Herzen „fru“

An Sauer und Mosel wächst der Rohstoff für edle große und charmante kleinere Weine. Eine uralte Kulturlandschaft, in der sich Jungwinzer Georges Schiltz seine ganz eigene Experimentierwerkstatt geschaffen hat.

Georges Schiltz ist verrückt. Oder wie soll man es nennen, wenn ein Geografiestudent, in dessen Familie niemand Winzer ist oder war, plötzlich auf die irre Idee kommt, Wein anbauen zu wollen? Wenn sich jemand in einem uralten Anbaugebiet, in dem schon seit Römerzeiten Generationen von Winzern ihre
Reben bestellen, einfach hinstellt und auch mitmischen will?

Sie werden gerne als die „jungen Wilden“ bezeichnet. Die nachrückende Generation von Winzern, die mit neuen Anbaumethoden experimentiert, die in regem Austausch mit Kollegen auf der ganzen Welt steht und die – das Auge trinkt ja bekanntlich mit – Wert auf die Gestaltung ihrer Flaschen und Etiketten legt.

Georges Schiltz ist so ein Wilder. Und mit seinen 32 Jahren definitiv jung! Ursprünglich wollte er in die Entwicklungshilfe und studierte Geografie. Doch sein Großvater führte ihn schon früh in die Kunst des Obst-Brennens ein. Er war fasziniert, wie man die Aromen der Streuobstwiesen rund um den elterlichen Bauernhof gewissermaßen herausdestillieren konnte, und so wurde aus dem Hobby mehr. Schon während des Studiums professionalisierte er die Brennerei. Unter dem Namen „Tudorsgeeschter“ (nach dem Blei-Akkumulator-Erfinder und Sohn des Ortes Henri Tudor werden die Einwohner Rosports gerne „Tudors Geister“ genannt), vertreibt er Schnäpse und Liköre.

Doch er ist neugierig. Umgeben von Weinbergen, will er auch diesen Früchten seine Aromen entlocken. Ein etwas gewagtes Unterfangen, gibt es doch keine Weinbautradition in der Familie. Und vor allem: keinen Weinberg!

„Bei einer Studienreise nach Bolivien stand ich plötzlich da: Vor mir der abgeholzte Regenwald, hinter mir die – denkbar einfachen – Häuser der Einheimischen, und da wurde mir klar, ich will etwas tun, um die Schönheit der Kulturlandschaft meiner eigenen Heimat zu bewahren“, erzählt Georges. „Wir leben in Europa dermaßen abgesichert, was soll schon passieren? Mehr als scheitern kann ich nicht. Und das wäre auch
nicht weiter schlimm.“ Etwas tun, was einen tieferen Sinn ergibt. Etwas, das nicht nur reines Geldverdienen ist. Wie befriedigend das sein muss. Sein Entschluss war gefasst.

Der Geist muss in die Flasche

Parallel zu Geografiestudium und Destille schreibt Georges sich an der Hochschule in Geisenheim für Önologie und Weinanbau ein. Durch Zufall kann er noch im selben Jahr seinen ersten Berg pachten: Im  „Clos de la joie“ – dem einzigen, komplett von einer Trockenmauer umschlossenen Weinberg Luxemburgs – probiert er alles aus, was er beim Studium mit Professoren und Kommilitonen diskutiert. Das Weingut „Fru“ ist gegründet.

Ein fantastisches „Learning-by-doing“ beginnt – das bis heute anhält. Im Gegensatz zu anderen Winzern sitzen bei Georges die Geister der Urahnen nicht ständig auf den Schultern, um an seiner Herangehensweise herumzumäkeln. Er hat die Freiheit, jeden Fehler selbst zu machen und jede Entdeckung für sich zu verbuchen. „Die Streuobstwiesen mit ihrer Biodiversität. Die Weinberge mit ihren Trockenmauern. Kleinteilige, nachhaltige Landwirtschaft, die die Artenvielfalt bewahrt, sogar nutzt, statt sie zu zerstören.

Winzer Georges Schiltz

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Der Gleichmacherei der Agrar-Konzerne etwas entgegensetzen. Dafür muss man nicht zwingend in die Welt hinaus. Auch vor der eigenen Haustür ist es möglich. Wenn ich hier, regional, das Obst meiner Nachbarn aufkaufe, um es zu verarbeiten, dann bringe ich sie automatisch dazu, ihre Streuobstwiesen weiterhin zu pflegen.“ In der persönlichen Begegnung wirkt Georges eigentlich alles andere als wild. Eher klar. Wie jemand, der genau weiß, was er tut. Jemand, der einen langfristigen Plan verfolgt.

„Fru“ zu sein bedarf es wenig

„Ich bin gerade am Kochen für meine Erntehelfer!“ Bei unserem zweiten Treffen öffnet Georges mir mit breitem Grinsen die Tür zum alten Bauernhof. „Einmal müssen wir dieses Jahr noch zur Lese. Der Palmberg ist morgen noch dran.“

Der Palmberg. Hier pflegt Georges Rebstöcke, die seit 1954 Trauben reifen lassen. Normal sind 30 Jahre. Danach wird üblicherweise wieder neu gepflanzt. Der Ertrag wird sonst zu gering. „Am Palmberg geht es nicht um Gewinn. Ertrag wirft er eigentlich nicht wirklich ab. Eher ist es die Faszination für diese alte Rebe. Da hat man ja auch eine alte Genetik, Erbinformationen, die es zu erhalten gilt. Und Geschichte. Wahrscheinlich – vielleicht – wurde an diesem Berg schon zu Römerzeiten Weinbau betrieben.“ Die Kultur bewahren und die Menschen, die hier leben, aber auch die Gäste, die Touristen, für diese Region mit ihrer Geschichte und ihren Geschichten zu begeistern: Es scheint ihm einfach Spaß zu machen. Freude, Früchte, Genuss. – Wenn das mal nicht eine Lebenseinstellung ist!

Winzer Georges Schiltz

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Entdecker willkommen!

Im Weingut „Fru“ sind Besucher immer willkommen. Wer sich vorher ankündigen möchte, findet die Telefonnummer auf der Website.

www.fru.lu


Jeff Konsbruck

© Melanie Maps

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