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Outdoors Passion Vater und Sohn auf dem Mullerthal Trail

4 Minuten

Der Klassiker ruft!

Der 112 Kilometer lange Mullerthal Trail ist einer der bekanntesten und beliebtesten Wanderwege Luxemburgs. Die Landschaft entlang des „Leading Quality Trail – Best of Europe“ ist abwechslungsreich, der Weg mit seinen vielen Aufs und Abs durchaus anspruchsvoll, und überall kann man auf Campingplätzen sein Zelt aufschlagen. Ideal für eine Vater-Sohn-Abenteuer-Tour.

Tagelang durch die Natur streifen. Nachts unter einem Zelt aus Sternen schlafen, das Plätschern eines Baches, die Rufe eines Käuzchens im Ohr. Eine kräftige Tütensuppe auf dem Campingkocher warmmachen und sich einfach nur frei und unabhängig fühlen. Muss man dafür die Weiten Lapplands durchziehen? Nicht unbedingt. Das Abenteuer ruft auch in Luxemburg.

Eigentlich sollte die Vater-Sohn-Tour „nur“ Vorbereitung für ein großes Abenteuer im fernen Norden werden. Der Luxemburger Luc Reis und sein Sohn Leo wollten den ganzen Mullerthal Trail wandern, um sich auf das anspruchsvolle Hiking-Event Fjällräven Classic in Schweden vorzubereiten. Bei dem Trekking-Event in Lappland geht es meist über kleine Pfade und Treppen, es sind viele Höhenmeter zu überwinden. Genau wie beim Mullerthal Trail in der „Kleinen Luxemburger Schweiz“. Der Mullerthal Trail ist mit seinen 112 Kilometern sogar noch ganze zwei Kilometer länger als die Strecke beim Fjällräven Classic. Eine perfekte Vorbereitung.

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Viel mehr als ein bloßer Testlauf

Viele Höhenmeter, schwierige Wegstrecken, das alles mit dem kompletten Gepäck, das sie auch für den Trip in Schweden mitnehmen wollten. Von Campingkocher und anderem Outdoor-Equipment über das Zelt bis hin zu wenigen, sinnvollen Kleidungsstücken – idealer kann eine Vorbereitung nicht sein. 20 Kilo trug der Papa, acht der Sohn.

„Der Mullerthal Trail ist ein Erlebnis. Die Natur ist mit ihren Felsen, Höhlen und Schluchten und den immer wieder überraschenden Aussichtspunkten und Dörfern, die unvermittelt auftauchen, einfach einzigartig schön. Und der Weg selbst alles andere als simpel! Eine positive Herausforderung“, sagt Luc Reis.

Luc arbeitet in der Tourismusbranche und weiß, was die Menschen suchen, wenn sie sich eine Auszeit nehmen. Er selbst liebt am Wandern die Ruhe und die Freiheit. Zwar mag  der Mittvierziger durchaus einen gewissen Luxus, doch ebenso gerne tauscht er ab und zu das gemütliche kleinen Zelt. „Die Campingplätze in Luxemburg sind außerdem echt toll! Teilweise mit Schwimmbad, oft mit super Spielmöglichkeiten für Kinder und landschaftlich schön gelegen“, sagt er. Auf dem Mullerthal Trail hat er schon in in Nommern, Heringermillen, Befort und Berdorf übernachtet.

Die erste Vater-Sohn-Tour auf dem Mullerthal Trail ist nun schon fünf Jahre her, der Trip nach Schweden im Anschluss war ein Erfolg und ein tolles Erlebnis. Leo, damals 10 Jahre alt, ist mittlerweile 15. Als begeisterter Pfadfinder ist er in der Natur zu Hause. „Draußen schlafen und essen und mit den Freunden unterwegs sein ist einfach super“, sagt er. Er freut sich auf das „Jamboree“ im Jahr 2023 in Südkorea. Bei dem riesigen Treffen, das alle vier Jahre nur für 14 bis 16-jährige Pfadfinder stattfindet, kommen bis zu 50.000 junge Menschen aus der  ganzen Welt zusammen. Sie alle verbindet die Liebe zur Natur und der Gemeinsinn. Werte, die auch Vater Luc wichtig sind. Er war und ist ebenfalls Mitglied bei den Pfadfindern.

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Ihren Müllerthal-Trip starten Vater und Sohn an diesem Tag auf dem Campingplatz in Berdorf. Erstes Ziel ist die sogenannte Teufelsinsel in Berdorf. Wenn man aus dem Wald tritt, öffnet sich das Grün wie ein Vorhang hin zu einer plötzlichen, überraschenden, weiten Aussicht über Wälder und Felsen der Region Müllerthal. An vielen Stellen erahnt man die Schluchten, Abhänge und Höhlen, die hier versteckt liegen und die – wie die Teufelsinsel – mit ähnlich klingenden Namen wie Totenkammer oder Räuberhöhle versehen sind.

Das Müllerthal kann auch anders

Hier treffen Luc und Leo auf Bart Cockx, 44 Jahre alt, und Lobke Dillin, 43 Jahre alt, die hier gerade ihre Yoga-Übungen machen. „Wir  kommen schon seit fast 20 Jahren aus Belgien hierher. Das Müllerthal ist ein Highlight. Hier findet man Ruhe und Einsamkeit, ohne weit fahren zu müssen“, sagt Bart. Dann nimmt er die nächste Yoga-Stellung ein. Leo probiert ebenfalls, auf der Brücke mit dem grünen Metallgeländer auf einem Bein zu stehen, aber sein Rucksack bringt ihn aus dem Gleichgewicht und er gibt lachend auf. 

Luc und Leo setzen ihren Weg fort, über Stock und Stein und durch enge Felsspalten in einen wahren Wald aus Felsen. Die uralten geologischen Zeugen strahlen an diesem heißen Sommertag wohltuende Kühle aus. Das Müllerthal kann aber auch anders. Beim „Trooskneppchen“ in Echternach, das Vater und Sohn auf ihrer Tour ebenfalls besuchen, geht es über enge Serpentinen aus Kopfsteinpflaster steil bergauf, die Sonne brennt vom Himmel, nur wenige Sträucher und Laubbäume bieten Schatten. Leo schwächelt ein bisschen und möchte eine Pause. „Die machen wir erst oben!“, ruft Luc und zurrt den Rucksack fester. Oben belohnt die Aussicht die beiden Wanderer. Unter ihnen liegt die imposante Basilika von Echternach mit ihren charakteristischen Zwillingstürmen, eingebettet in viel Grün. Die Kirchenglocken dröhnen vom Tal herauf, und Leo sitzt auf einer der Bänke und nimmt einen tiefen Zug aus der Trinkflasche. 

Abkühlung gibt es in der waldreichen Umgebung rund um die  „Alkummer“ bei Steinheim. Das schmale, hohe Felsenzimmer ist ein geologisch ganz besonderer Ort  und eines der vielen Puzzleteile, aus
denen sich der „Natur- & Geopark Mëllerdall“ zusammensetzt. Seit 2022 gehört er zum internationalen Netzwerk der UNESCO Global Geoparks. Die Formationen aus Dolomit – wie die „Alkummer“ – und
aus Sandstein sind sehr charakteristisch in ihrer Formgebung und lassen einen tiefen Einblick in die erdgeschichtliche Vergangenheit zu.

Wandern im Urzeitmeer

Die Region Müllerthal mit ihrem Gestein-Mix aus Sandstein und Dolomit war vor über 200 Millionen Jahren, während der Zeit der Trias und des Jura, einmal der Grund eines Meeres. Als das Wasser sich zurückzog, gruben sich Flüsse in das Gestein ein, und es kam zur Bildung der derzeitigen Landschaften aus Plateaus, Flüssen und davon  gebildeten tiefen Tälern, die seit der Steinzeit von Menschen besiedelt werden. Vor allem die Sauer, als größter Fluss der Region, schnitt sich tief in den Untergrund aus  Dolomit, sodass das Gestein heutein Form von Felswänden zu beiden Seiten des Tals sichtbar wird. Aber auch die kleineren Flüsse und Bäche schufen steile Felsen, die nun enge Klüfte bilden. Und die bilden einen  Gegensatz zu den offenen Flächen der sanft gewellten Hügellandschaft der Region.

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Trainingslager für große Pläne

Die „Alkummer“ ist im Grunde nur ein ganz enger Durchgang zwischen zwei Felsen. Da passt ein Mensch durch, wenn er sich schmal macht – und sich nicht mit seinem Gepäck zwischen den Steinen  verkantet. Luc und Leo warten, bis zwei andere Wanderer das kleine Felsentörchen hintereinander passiert haben. Sandra Verholen und Ronny Josten, 43 und 37 Jahre alt, kommen aus den Niederlanden und sind sechs Tage lang in Luxemburg unterwegs. Auf dem Mullerthal Trail trainieren sie ihre Fitness für den Norway Trail in Norwegen. Offenbar ist das Müllerthal Trainingslager für die Bezwingung aller möglichen harten Fernwanderwege. Sie sind zum ersten Mal im Großherzogtum und ganz begeistert. „Gestern haben wir 22 Kilometer gemacht, mit fast 400 Höhenmetern. Das ist schon anspruchsvoll und ideal für unser Training. Und die Landschaft ist einfach superschön!“, schwärmt Sandra. Heute sind sie 14 Kilometer auf der Route 1 unterwegs und beeindruckt von den Felsformationen. Luc und Ronny tauschen sich über das Nächtigen in der Wildnis aus. „In Norwegen muss man benutztes Klopapier verbrennen!“, weiß Luc aus Erfahrung  und grinst bei der Erinnerung. Für Aufenthalte im Freien bewahrt er seine Toilettenpapierrolle stets an einem Draht in Plastiktüten auf, damit auch ein Regenschauer dem Papier nichts ausmacht. Outdoor-Erfahrungen austauschen gehört eben dazu. Man lernt nie aus. 

Die letzte Station von Luc und Leo ist die Stadt Fels/Larochette. Es ist Wochenende, und im Stadtkern findet ein Markt statt. Neue und gebrauchte Waren werden verkauft, es herrscht  reges Treiben, viel Portugiesisch ist zu hören. Alles ist bunt und lebhaft,  Kinder wollen Spielzeug, Erwachsene  stoßen mit Bier an. Doch wenige Schritte oberhalb wird es schon wieder ruhig und grün. Das Vater-Sohn-Gespann möchte zum Abschluss den Aussichtspunkt „Himmelsbierg“ besuchen. Direkt neben der Kirche geht der Weg über viele Treppen nach oben, an Gärten entlang, die ein bisschen wild und geheimnisvoll aussehen. Überall am Wegesrand stehen kleine, verrückte Figürchen. Oben bekommt Leo seinen wohlverdienten Snack: ein Tüten-Risotto auf dem
ultra-schnellen Campingkocher. Die Tour ist geschafft. Leos Lächeln wird immer breiter. Auf so einem Trail sind es eben auch die kleinen Dinge, die so richtig glücklich machen.

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Topp-Wanderwege

Ausgezeichnete Hiking-Erlebnisse

Für Wanderer ist Luxemburg das ideale Reiseziel: Das Land verfügt über eines der dichtesten Netze an Wanderwegen in ganz Europa. Sozusagen die „Königsklasse“: „Leading Quality Trails – Best of Europe”. Sie erfüllen strenge Kriterien und garantieren damit attraktive Touren und Einblicke in abwechslungsreiche Landschaften.

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