Lee Trail
© Alfonso Salguiero

Outdoors Passion Escapardenne Lee Trail

7 Minuten

Der Weg mit Freunden

Reiseziel(e): Éislek

Ab auf den Berg. Auch Luxemburg hat schwindelerregende Gratwanderungen, spektakuläre Felsen, saftige Wiesen, rauschende Bäume auf Hochplateaus zu bieten. Der 52 Kilometer lange „Lee Trail“ im Norden des Landes ist Auftakt des über die Landesgrenzen hinausgehenden „Escapardenne“-Weitwanderwegs. Drei Freunde haben ihn für sich entdeckt.

Die drei Freunde sind begeisterte Wanderer und Outdoor-Fans: Alfonso Salgueiro, 49 Jahre alt und freier Fotograf, lebt seit 2001 in Luxemburg; Josh Dauphinee aus Kanada, 38, macht den „Lee Trail“ heute zum ersten Mal; der Ire Ciarán Mackin, 36, freut sich, zusammen mit den anderen den mitunter abenteuerlichen „Lee Trail“ kennenzulernen. „Mal sehen, ob ich fit genug bin“, sagt Ciarán.

Lee Trail
© Alfonso Salguiero
Lee Trail
© Alfonso Salguiero

Die Etappen des „Escapardenne Lee Trail“ sind in drei Tagen für geübte Hiker gut zu machen. Rucksack auf die Schultern und los. Abtauchen, raus aus dem Alltag, rein ins Naturerlebnis im Éislek.

1. Etappe: Postkartenblicke und steile Anstiege

Ein Auf und Ab ist es von Anfang an. Von Ettelbrück aus geht es nach einem Croissant erst mal gemütlich los, vorbei am Denkmal des berühmten General Patton, einer zentralen Figur in der Ardennenschlacht. „Bourscheid Moulin“ ist ihr Tagesziel, dort wollen sie essen. In der Stille des Waldes und bei moderaten Anstiegen kommen die Männer ins Plaudern. Josh hat bereits in seiner Heimat Kanada immer viel in der Natur unternommen. Der Ire Ciarán freut sich generell über den vielen Wald in Luxemburg. „Den gibt es in Irland so nicht“, sagt er. Dann gehen die Männer wieder schweigend nebeneinander her.
 

Die Stille der Natur tut gut – und die Anstiege werden steiler. Immer wieder hält Alfonso an, zückt die Kamera, stellt sein Stativ auf, lichtet Blätter, Pilze, Bäume, kleine Details und große Ausblicke ab. Ein altmodisches Schild, das Alfonso fasziniert, weist zum Aussichtspunkt „Predigtstuhl“, wo der heilige Willibrord zu Gläubigen gesprochen haben soll. Von dort oben bietet sich der erste Postkartenblick auf die Sauer, die sich durchs grüne Tal schlängelt. Ab hier geht der „Lee Trail“ steil bergauf weiter, über ein Hochplateau und wieder hinunter, vorbei am Dörfchen Michelau. Nächster Postkartenblick zum Ende der Etappe, diesmal auf Schloss Burscheid von der „Gringlee“, dem „grünen Felsen“, aus. „Lee“, das heißt „Fels“. In Luxemburg gibt es viele Orts- und Flurnamen mit diesem Wort – besonders oft im Norden und in der „Kleinen Luxemburger Schweiz“, dem „Müllerthal“.

Letzter Halt: „Bourscheid Moulin“. Wer einen kurzen Abstecher auf den Campingplatz macht, kann mit der Sauer im Vordergrund noch eine wunderbare Aussicht auf das Schloss von Burscheid genießen, das über der Szenerie thront. An diesem Tag liegt leichter Nebel über dem Fluss. Nicht umsonst hat der französische Schriftsteller Victor Hugo das Schloss 1871 gemalt, denn Romantik, Schlösser und Nebel gehören eng zusammen.

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2. Etappe: Picknick mit Napoleon und „Der Finger Gottes“

Die zweite Etappe ist mit über 19 Kilometern und mehr als 900 Höhenmetern die wohl anstrengendste des Trails. Sie startet beim Campingplatz, dann überqueren die Wanderer die Gleise, es geht über einen Steilhang, vorbei am Dörfchen Burscheid bis hin zum ersten spektakulären Halt, dem „Napoleonsbäumchen“ auf dem Hochplateau, das auch „Napoleonsknäppchen“ genannt wird. Hier pfeift der Wind, denn außer dem Baum und der Aussichtsplattform gibt es nichts, das ihn stoppt. Der Baum ist ein kämpferisches Symbol der Freiheit. Der ursprüngliche wurde 1811 zu Ehren von Napoleon gepflanzt, 1940 von den Nazis gefällt. 1941 pflanzten die Menschen aus Burscheid heimlich einen neuen – die Linde, die heute noch dort steht.
 

Zurück im Wald wird wieder konzentriert gewandert: Ein steiler Anstieg, teils mit Geländer, man muss aufpassen, wo man hintritt. Der Weg führt vorbei am Aussichtspunkt „Rouschtert“ zum „Doigt de Dieu“, einem Felsen, der wie ein „Finger Gottes“ geformt sein soll. Alfonso ist froh über sein Weitwinkelobjektiv, mit dem er das bizarre Gebilde ganz aufnehmen kann. Josh legt sich derweil im Schatten des „Fingers“ hin, und Ciarán überlegt grinsend, welcher „Finger Gottes“ das hier sein könnte und was Gott den Wanderern damit sagen will. Ein bisschen außer Atem sind die Männer schon, doch die Laune ist ungebrochen gut. Josh steht auf und klettert ein wenig unterhalb des Fingers. Gefährlich sieht das aus. Aber er kommt heil zurück.

Lee Trail
© Alfonso Salguiero

Der nächste Aussichtspunkt ist wieder ganz besonders geformt. Bröselnde Schiefersteinplatten erinnern an Blätterteig. Wer darüber kraxelt, kommt zur „Molberlee“: ein schmaler, 500 Meter langer Pfad, links und rechts fällt der karg bewachsene Fels steil ab. Luxemburger Ardennen par excellence. Um die „Molberlee“ herum wachsen viele verschiedene Pflanzenarten, darunter auch seltene – und die Heidelbeere, auf Luxemburgisch „Molbier“. Sie gab dem Grat seinen Namen. Wieder einmal genießen die Männer die Ruhe. Bis ein Mountainbiker vorbeiflitzt. Nervenkitzel findet man hier also auch. In dem Dorf Hoscheid endet die zweite Etappe.

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3. Etappe: Klangweg für Spielkinder und Bier vor den Holz-Pods

Von Hoscheid nach Kautenbach sind es knapp 15 Kilometer. Für „Spielkinder“ gibt es hier ein besonderes Highlight: den „Klangwee“, einen Klang-Erlebnis-Weg mit 17 verschiedenen Stationen. Er beginnt in der Ortsmitte. Manche lassen sich mit eigenen, aus Holzstöcken improvisierten oder ausgeliehenen Sticks bespielen. Josh und Cairán haben schon bei der ersten Etappe Spaß: Haut man kräftig auf die flachen Metallgebilde, ertönen die verschiedensten verrückten Geräusche – elektronisch. Und sogar das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Passt ja. Es gibt aber auch kontemplativere Klangspiele. Etwa die beeindruckende Holzkonstruktion, an deren oberen Ende sich Windspiele sanft bewegen. Das ist Meditation. Auch Familien mit Kindern sind hier anzutreffen. Denn den sechs Kilometer langen Klangweg kann man unabhängig vom „Lee Trail“ gehen.

Alfonso, Josh und Ciarán lassen die Instrumente hinter sich. Der Lee Trail führt weiter durch das Schlindertal. Es beherbergt die Kapelle Saint-Michel, die romantische Einsamkeit ausstrahlt – ebenso wie das Geisterdorf Oberschlinder, in dem niemand mehr lebt. Von früher 20 Häusern stehen nur noch zwei, der letzte Bewohner zog 1948 weg – nach dem entbehrungsreichen Zweiten Weltkrieg. Bereits vor der Ardennenoffensive waren viele Bewohner in die USA ausgewandert.
 

Auch die dritte Etappe enttäuscht nicht, was spektakuläre Aussichtspunkte angeht. Über 50 Kilometer Weg sind geschafft. Unten fährt ein Zug vorbei und hält am Bahnhof Kautenbach – der letzten Station. Jetzt ist es nicht mehr weit. Die Sonne geht unter. Bergab geht es schnell.

Lee Trail
© Alfonso Salguiero

Praktische Infos

  • Kostenfreie Parkplätze am Bahnhof Ettelbrück und Bahnhof Kautenbach.
  • Zug- und Busverbindungen. Der öffentliche Nahverkehr ist gratis!
  • Genügend Essen und Trinken mitnehmen - unterwegs gibt es nur wenige Verpflegungsmöglichkeiten.
  • Der „Lee Trail“ bietet naturnahe Wege mit weniger als 20 Prozent Asphaltbelag. Geeignete Wanderkleidung und eingelaufene Wanderschuhe sind auch deshalb notwendig.
Éislek Germany France
Leading Quality Trails – Best of Europe

Escapardenne Lee Trail

  • 1. Etappe: von Ettelbrück bis Burscheid-Mühle: 17,8 km; Schwierigkeit: schwer
  • 2. Etappe: von Burscheid-Mühle bis Hoscheid: 19,3 km; Schwierigkeit: schwer
  • 3. Etappe: von Hoscheid bis Kautenbach: 14,6 km; Schwierigkeit: mittel
  • 2.000 Höhenmeter auf 52 Kilometern
  • Beeindruckende Aussichtspunkte
  • „Leading Quality Trails – Best of Europe“-Zertifikat
  • Herausragende Naturräume
  • Wegweiser: weiße Welle auf blauem Hintergrund; identisch mit denen des „Escapardenne Éislek Trail“ und in beide Richtungen markiert
Lee Trail Bourscheid
© Alfonso Salguiero
© Visit Éislek
Patton Denkmal Ettelbrück
Entdecken Sie das Patton Denkmal in Ettelbrück, einen bedeutenden Erinnerungsort. Dieses Denkmal ehrt General George Patton Jr., dessen 3. US-Armee Ettelbrück im Dezember 1944 befreite und so den Einfall der Wehrmacht während der Ardennenschlacht stoppte.
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© Studio Frank Weber
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Burg Bourscheid
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Die Molberlee in der Nähe von Hoscheid ist ein faszinierender Bergkamm, der einen atemberaubenden Blick auf das Schlindertal bietet. Die Molberlee ist für ihre einzigartige Artenvielfalt bekannt und wurde als Waldreservat und Naturdenkmal ausgewiesen.
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Aussichtspunkt Gringlee
Aussichtspunkt Gringlee
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