Minett Fond-de-Gras

© Renata Lusso

Transforming Experiences Minett Tour

4 Minuten

Auf den Spuren von Schweiß und Stahl
Reiseziel(e): Minett

Vom dampfenden Zug über imposante Hochöfen bis hin zu düsteren Bergarbeiter-Minen: Auf der „Minett Tour“ spürt man den Spirit der Stahl-Vergangenheit.

Die Männer arbeiteten hart im „Land der Roten Erde“. Sie gruben Eisenerz aus, auf Luxemburgisch „Minett“, sie schlugen Gänge in den Fels, fuhren mit ratternden Bahnen ins Innere der Hügel und förderten auf Loren Gestein zu Tage. Das Eisenerz wurde gewaschen, gemischt, erhitzt, zu Stahl gemacht. Und Ruß, Schweiß, Kohle, Hitze, Stahl – das waren die Zutaten des wirtschaftlichen Erfolges im Süden Luxemburgs.
 

Minett Belval

Esch-sur-Alzette
© Renata Lusso

Denn Stahl aus Luxemburg wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts in die ganze Welt exportiert und ist heute noch in aller Herren Länder verbaut – ob in den Fundamenten des „One World Trade Center“ in New York oder im größten Wolkenkratzer der Welt in Dubai.

Vergangenheit und Zukunft

Seit 1997 sind die Hochöfen aus. Doch immer noch können Besucher auf „Minett Tour“ in diese Welt eintauchen. Die kann man zum Beispiel in Esch-Belval starten. Dort, wo die Hochöfen qualmten, wächst mit der Universität ein neuer Hoffnungsträger des Erfolges. Moderne Gebäude beherbergen die Wissenschaften, es kommen immer weitere Fachgebiete hinzu – ob in der Medizin, den Geisteswissenschaften oder der Informatik. Doch zwischen den Uni-Elfenbeintürmen trotzen die Hochöfen immer noch der Gegenwart. Sie wurden aufwändig konserviert, sollen der Nachwelt erhalten bleiben. Und sie sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre. Besucher können im Rahmen von Führungen auf den „Hochofen A“ klettern und die Aussicht auf den Campus genießen. Bald soll zudem das Headquarter von „Esch2022“ seinen Platz dort finden. Denn Esch wird 2022 Europäische Kulturhauptstadt.

Minett Belval

© Renata Lusso
MountainBike Rote Erde Minett

Red Rocks of Minett
© A. Schösser

De Minett“, wie die Luxemburger das „Land der Roten Erde“ im Süden des Landes nennen, verdankt seinen Namen dem leuchtend roten Eisenerz, das die Naturlandschaft dominiert.

 

Abenteuerliche Stationen

Esch-Belval ist ein Dorado für Architektur-Begeisterte und nur einer von fünf Schauplätzen der 35 Kilometer langen „Minett Tour“. Im ehemaligen großen Bergbaugebiet Fond-de-Gras etwa gibt es gleich mehrere Orte, an denen sich am Wochenende etwas erleben lässt. Ein Ausflug dorthin ist ein Trip in die Vergangenheit. Mit einem Dampfzug, dem „Train 1900“, können Groß und Klein von Petingen aus nach Fond-de-Gras fahren, mitten durch das „Land der Roten Erde“. Seit 1973 sorgen ehrenamtliche Helfer dafür, dass die Zuglinie lebendig bleibt. „Seit meiner Kindheit bin ich am Wochenende regelmäßig hier, früher mit meinem Vater. Ich liebe es, an Zügen herumzuschrauben“, sagt Romain Baumann. Der 36-Jährige ist Präsident der „Association des musées et tourisme ferroviaires“ und mal als Heizer, mal als Lokführer mit dem „Train 1900“ unterwegs. Zwar wurden früher Ladungen von Eisenerz aus der Umgebung nach Fond-de-Gras gebracht und nicht Menschen befördert. Aber so streng historisch muss man das nicht sehen.

Minett Fond-de-Gras

© Renata Lusso

Der kleine Krämerladen „Epicerie Victor Binck“, der früher eigentlich in Differdingen angesiedelt war, ist jetzt Teil des historischen Geländes. „Es ist einfach schön, die alten Produkte und den traditionellen Laden zu sehen“, sagt die 82-jährige Lori Gatti, als sie mit Freunden einen Abstecher nach Fond-de-Gras macht. „Mein Bruder hat früher in der Épicerie gearbeitet. Die Stahlindustrie hat uns geprägt“, sagt die Tochter italienischer Einwanderer, die dort wie viele italienische Einwanderer Zutaten für Polenta gekauft hat. Denn auch das ist „de Minett“: Menschen, die aus dem Süden Europas kamen, um hier zu arbeiten und eine neue Heimat zu finden.

Minett Fond-de-Gras

© Renata Lusso

Minett Tour & Minett Park Fond-de-Gras

Mit dem „Train 1900“ können Groß und Klein von Petingen aus nach Fond-de-Gras fahren. Früher wurden Ladungen von Eisenerz aus der Umgebung nach Fond-de-Gras gebracht und nicht Menschen befördert, wie hier in der ehemaligen 1. Klasse des Zuges.

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„Wilde Frau“ und rumpelnde Loren

So wie in dem kleinen Dorf Lasauvage, das seinen Namen von einer „Wilden Frau“ hat, die in grauer Vorzeit dort gelebt haben soll. Sie hat die Menschen einerseits in Angst und Schrecken versetzt, andererseits soll sie wohl, je nach Version der Sage, auch Heilkundlerin gewesen sein.

Später, als die „Wilde Frau“ schon längst gestorben war, wohnten Arbeiter in Lasauvage, die exklusiv für den Industriellen Graf Fernand de Saintignon in dessen Minen tätig waren. Es entstanden Häuser, eine Schule, ein reges Gemeinschaftsleben. 1978 schloss die letzte Mine. Noch heute zeugt ein Umkleideraum mit Duschen und Haken an der Decke davon, wie sich hunderte Arbeiter nach ihrer Schicht Staub und Schmutz abgewaschen haben.
 

Minett Park Lasauvage

© Oliver Raatz

Mit dem Auto, aber auch mit der „Minièresbunn“ kann man heute das verwunschene Örtchen Lasauvage erreichen. In den „Buggys“, den Loren, wurde früher das Eisenerz transportiert, heute fahren Besucher mit der Bahn in den dunklen Stollen. Nach einigen rumpelnden Metern in der Dunkelheit steigen sie aus, und dann dürfen sie selbst ein wenig Gestein von den Wänden schlagen. Wie haben sich die Arbeiter wohl in der ständigen Dunkelheit gefühlt? Das kann man selbst ausprobieren. Zumindest ein bisschen. Und dann schnell wieder ans Tageslicht. Dort, wo die Erde rot ist.

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