Ettelbruck Street Art
Willkommen in Ettelbrück – der Heimat der Urban Art im ländlichen Norden Luxemburgs. Folgen Sie den zahlreichen Wandgemälden, die Künstlerinnen und Künstler wie Martine Koetz mit viel Liebe zum Detail geschaffen haben und die dieses einzigartige Kulturerlebnis prägen.
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Am Ufer der Alzette im Stadtpark von Ettelbrück fühlt es sich fast so an, als wären Sie in eine bizarre, kafkaeske Welt versetzt worden. Schauen Sie nur – dort reitet ein Mann auf einer Raupe! Ausgestattet mit einer Ledertasche, einem schicken Hut und einem Fernglas sitzt der mutige Entdecker selbstbewusst auf dem riesigen Krabbeltier. Und was ist mit der Frau auf der anderen Seite, die auf einer gewaltigen Heuschrecke thront?
Diese auf den Kopf gestellte Welt entspringt der Fantasie der in Ettelbrück lebenden Künstlerin Martine Koetz. Ihre haushohen Pilze, riesigen Frösche und gigantischen Schnecken erinnern an die farbenfrohen Illustrationen aus Kinderbüchern und Märchen.
New York trifft Luxembourg
Das Urban-Art-Projekt Ettelbrooklyn wurde 2017 ins Leben gerufen. Ursprünglich entstand der Name als augenzwinkernder lokaler Scherz, der das beschauliche Ettelbrück mit der rauen Energie des New Yorker Stadtteils Brooklyn kontrastierte. Die Stadt machte sich diesen Spitznamen jedoch zu eigen und entwickelte daraus eine langfristige Kulturstrategie: Mit eindrucksvollen Graffiti-Wandgemälden, die das ganze Jahr über zu sehen sind, erhielt das Stadtbild eine völlig neue visuelle Identität.
Genau dieses Projekt begeisterte die in Ettelbrück geborene Künstlerin Martine Koetz. Die 1981 geborene Künstlerin studierte in Hamburg und Straßburg, bevor sie zehn Jahre lang in der Berliner Modeszene arbeitete. „Es war alles total spannend und das Tempo unglaublich hoch.“ Doch Martine wollte zu ihren Wurzeln zurückkehren. Kurz vor Beginn der Corona-Pandemie engagierte sie sich ehrenamtlich in einem Kunstatelier in Capellen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen – dort arbeitet sie heute.
Doch wie die riesige Raupe eindrucksvoll beweist, spielt die Kunst nach wie vor eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Sie malt im Rahmen des Projekts „Twocans“. Über Ettelbrück sagt sie: „Es ist ein ehrlicher, bodenständiger Ort, an dem nicht alles geschniegelt und gestriegelt ist.“
Die Ergebnisse ihrer Leidenschaft können Sie bei einer geführten Tour durch Ettelbrück entdecken. Der Rundgang führt unter anderem an einem Wandgemälde vorbei, das ein Mädchen zeigt, das eine Wolke aus einem Vogelkäfig freilässt, sowie zu der beeindruckenden Sammlung von Werken auf den sieben Pfeilern unter der Deichbrücke. Lucas Thiltges vom Ettelbruck City Tourist Office (ECTO) leitet zweistündige Führungen, bei denen 25 der derzeit rund 40 Urban-Art-Werke vorgestellt werden.