Hotelfachschule EHTL

© Andreas Weis

The Good Life Hotel- und Tourismusschule

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Schule der Gastfreundschaft

Gastfreundlichkeit, Küchenkunst, kurz: Eine wahre Willkommens-Kultur kann man in der Hotelund Tourismusschule EHTL in Diekirch erlernen. Von hier wurden schon viele erfolgreiche Gastronomen in die Welt entlassen.

Wie ein Dirigent vor seinem Orchester steht Kochlehrer Patrick Scholzen da. Er hebt die Hand, sagt ein paar Worte, und seine Schüler fangen an, mit Töpfen und Messern zu hantieren; der Raum beginnt zu klingen. Victor, in der letzten Reihe, rührt mit einer Kelle den Fleischfonds in dem großen silbernen Topf um – klang, klong!

Daneben lässt Fabio sein Messer in feinem Staccato auf das Schneidebrett heruntersausen – tack, tack, tack! Aus der ersten Reihe mischt sich ein lautes Knacken dazu, als Serena und Kai die Zangen der orangefarbenen Hummer zerbrechen. Und zwischendrin hört man das leise Knuspern der Nori-Blätter, die Sofia halbiert.

Der Klangteppich wird von dem stetigen Brummen der Öfen und Gemurmel der acht Köche begleitet, die heute für ein gemeinsames Ziel in der Küche stehen: Ein geschmacklich harmonisches Menü für die Feierlichkeiten am kommenden Abend kreieren. Denn an der Hotel- und Tourismusschule in Diekirch ist es so Tradition.

Die Schüler, die nach drei Jahren Ausbildung die Schule erfolgreich mit ihrem Abschluss in der Tasche verlassen, werden am Tag ihrer Absolventenfeier von den Schülern der jüngeren Jahrgänge bekocht. Patrick Scholzen ist dabei mittendrin. Er dirigiert das Geschehen, gibt Ratschläge, demonstriert Handgriffe und bringt die konzentrierten Gesichter mit seinen lockeren Sprüchen trotz allen Trubels immer wieder zum Lachen.

“Striving for excellence”

„Die Schüler lernen in unseren Küchen die Hektik des Berufslebens kennen. Es wird gekocht, manchmal unter Zeitdruck. Druck, der im Leben allgegenwärtig ist. Denn im Arbeitsalltag werden trotz Hektik Leistung und Resultat erwartet“, sagt Michel Lanners, der Leiter der renommierten Schule. Er steht in der Eingangshalle. Der Ort, an dem pro Schuljahr rund 300 Schüler täglich ein- und ausgehen.

Neben seinem Kopf prangt das Wappen der 1949 gegründeten Schule: ein Löwe neben den Großbuchstaben EHTL, die für École d’Hôtellerie et de Tourisme du Luxembourg stehen.

Hotelfachschule EHTL

© Andreas Weis

Lernen für das Leben

Doch die Schule ist viel mehr als ein Ort, an dem klassische Berufe wie Koch oder Hotelier unterrichtet werden, so Lanners. „Der besondere Geist dieser Schule liegt darin, dass wir Gastfreundschaft lehren. Unsere Schüler lernen, aufmerksam, freundlich, diskret und reaktionsschnell zu sein. Kompetenzen, die wir alle im Kontakt mit anderen Personen sehr schätzen. Und die den Schülern den Einstieg in die unterschiedlichsten Branchen ermöglichen.“

Die Tür der Eingangshalle schwingt auf, und die Schüler kommen herein. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass in wenigen Minuten die zweite Unterrichtsstunde beginnt. Die Jugendlichen durchqueren die Eingangshalle und biegen mit schnellen Schritten auf einen langen Flur ein. Hier stehen bereits einige Klassenkameraden, die auf das melodische Klingeln der Schulglocke warten.

Die Schüler tragen schwarze Anzüge mit Krawatten, elegante Kostüme, Kochmützen und Servierschürzen. Denn an der EHTL sollen sie unter realistischen Bedingungen auf ihren späteren Arbeitsalltag in der Hotel- und Tourismusbranche vorbereitet werden. Und das bezieht sich nicht nur auf den Dresscode. Auch der Umgang miteinander ist entsprechend höflich. Egal, wie groß die Eile ist. Die Schüler und Lehrer grüßen sich auf den Fluren immer mit einem freundlichen Lächeln und einem fröhlichen „Gudde Moien“ oder „Bonjour“.

Hotelfachschule EHTL

© Andreas Weis

Die Schulglocke klingelt. In einem großen Raum steht bereits eine Gruppe junger Leute vor acht Tischen, die mit weißen Tischdecken, Stoffservietten, Besteck und Gläsern bestückt sind. Der Raum gehört zum Übungsrestaurant. Hier lernen die Schüler, Tische einzudecken und Speisen und Getränke zu servieren. Heute steht „Suppe Servieren“ auf dem Stundenplan. Dass hier nur geübt wird, wird klar, als die Schüler kaltes Wasser statt warmer Suppe aus der silbernen Suppenschüssel in die tiefen Teller schöpfen.

Ein paar Türen weiter steht ein großer Herd mitten im Raum. Aus zahlreichen Töpfen und Pfannen duftet es nach frisch angebratenen Zwiebeln. Weißer Dampf steigt zur Dunstabzugshaube auf. Gespannt lauschen die acht Schülerinnen und Schüler im Alter von rund 16 Jahren der Stimme von Lucien Kass. Der Kochlehrer erklärt gerade, worauf sie beim Andünsten von Zucchini und Paprika achten sollen. „Vor Jahren war ich hier selber Schüler“, erzählt er strahlend, während sich seine Adepten daran machen, das Gemüse unter lautem Zischen in die Töpfe zu geben. „Nach meinem Abschluss bin ich als Koch und Servicekraft um die Welt gereist, und vor zwanzig Jahren dann als Lehrer an meine Schule zurückgekehrt, um die Freude am Kochen zu vermitteln.“

Von großen Träumen und der weiten Welt

Auch die Schülerin Serena Villani träumt davon, nach ihrer Ausbildung an der EHTL die Welt zu entdecken. Ein Traum, dem sie mit dem erfolgreichen Abschluss an der Hotel- und Tourismusschule ein großes Stück näherkommen wird, wenn man sich auf die Worte von Schulleiter Michel Lanners verlassen will. „Der Erfolg unserer Absolventen ist enorm. Wir sind sehr stolz, dass wir viele unserer Schüler heute in leitenden, führenden und wichtigen Positionen wiederfinden“, sagt er und erzählt von seiner ehemaligen Schülerin Caroline Esch. Die junge Köchin hat im Jahr 2019 mit nur 24 Jahren ihr eigenes Restaurant „Eden Rose“ eröffnet.

Das Restaurant liegt in einem Park in Kayl, eine Stunde südlich von Diekirch. Überall finden sich Rosen-Dekore, matt glänzt das vergoldete Besteck, akkurat neben den Tellern platziert. Weiter hinten die offene Küche, in der das Küchenteam vor den Augen der Gäste die Gerichte zubereitet. Ausschließlich glutenfrei, denn Caroline verträgt seit ihrem 13. Lebensjahr den in Mehl enthaltenen Stoff nicht mehr. Ihr Wunsch nach glutenfreien Alternativen ist ein Grund dafür, warum sich Caroline schon als Teenagerin für den Beruf der Köchin interessierte.

Ein Erfolgsrezept

Heute, rund zehn Jahre später, ist ihr Restaurant das erste in Luxemburg, das eine vollständig glutenfreie und dabei innovative und abwechslungsreiche Karte bietet. Und das aufgrund der fantasievollen Kreationen so erfolgreich, dass die junge Köchin 2021 das Restaurant noch einmal renovieren lässt und gemeinsam mit ihrem Verlobten und Koch Valérien Prade die Karte verfeinert.

Wer heute im Eden Rose zu Gast ist, darf sich auf ein Genusserlebnis auf Gourmet-Niveau freuen. Und auf eine persönliche Note: Eine Sammlung alter Kaffee- und Teekannen ist überall zu entdecken, die meisten natürlich mit Blütendekor.

Caroline erinnert sich mit einem Lächeln im Gesicht an ihre Zeit vor rund zehn Jahren an der Hotel- und Tourismusschule zurück: „Sie ist eine sehr gute Schule, an der es für die Schüler unzählige Möglichkeiten gibt.“ Eine Vielfalt, die mit Sicherheit ein Grund dafür ist, warum in Luxemburg solch große Küchenkunst entsteht.

Restaurants in Luxemburg

Die Luxemburger Küche spiegelt die kulturelle Vielfalt des Landes wider. Ob gemütliches Bistro oder gastronomisches Restaurant: Luxemburg hat für jeden Gaumen Leckeres zu bieten.

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