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Transforming Experiences François Valentiny, Architekt aus Schengen

3 Minuten

„Um Grenzen haben wir uns nie geschert!“
Reiseziel(e): Mosel

Der Schengener Stararchitekt François Valentiny arbeitet international – und doch hat ihn seine Heimat im Dreiländereck stark geprägt. In den Orten an der Mosel kann man die Handschrift des Bau-Künstlers überall entziffern. Grenzenlose Ästhetik.

„Wenn man baut, muss man sich mit der Landschaft auseinandersetzen. Mit der Sonne, mit der Kultur und mit den Menschen“, findet François Valentiny. Der Luxemburger Stararchitekt hat die ersten zehn Lebensjahre in Remerschen verbracht. Remerschen ist ein Teilort von Schengen im Dreiländereck zwischen Luxemburg, Deutschland und Frankreich. Hier an der Mosel, genauer: in einem Schiff auf der Mosel, wurde 1985 zwischen Weinbergen das berühmte Schengener Übereinkommen unterzeichnet, das längst ein Symbol für offene Grenzen in Europa geworden ist.
 

Wie steht man als Luxemburger aus Schengen zu Grenzen? Valentiny lacht: „Wir leben in einem kleinen Land, überall sind Grenzen – wenn ich mit dem Auto fahre und telefoniere, dann wechselt andauernd mein Mobilnetz. Andererseits haben wir uns hier nie sonderlich um Grenzen geschert. Viele Moselwinzer haben Weinberge in allen drei Ländern. Und es gibt Familien, die über die Grenzen hinweg zerstreut sind.“ Mit dem Schengener Abkommen ist Valentiny dennoch eng verbunden, zumindest im Nachhinein – er hat nämlich das Europäische Museum unten an der Mosel entworfen, das sich mit dem Abkommen und den offenen Grenzen in Europa beschäftigt.

Tiefe und Seele durch Moselsand-Putz

Wer die multimediale Ausstellung im Museum besuchen möchte, der bleibt erst einmal vor einem sehr schlichten Quaderbau stehen, dessen Eingang wie ein großes Fenster zur Welt aussieht. Der grobe, beige Putz irritiert ein wenig, sieht auf den ersten Blick schmutzig aus. Aber „Schmutz“ trifft es nicht. Es ist eher verarbeitete Heimat-Erde und Heimat-Erbe. Architekt Valentiny hat quasi den Schengener Putz erfunden – er mischt ihm Moselsand bei. Die Spuren der Zeit sichtbar machen, Prozesse der Verwitterung beim Holz und an der Fassade zulassen, das findet Valentiny wichtig. Er sagt: „In ärmlichen, ländlichen Gegenden hat man die Häuser immer nur verputzt, nie gestrichen. Für mich hat das viel mehr Tiefe und Seele, als ein synthetischer Anstrich. Aber klar, neu sieht das schon zur Einweihung eines Gebäudes nicht mehr aus.“

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„Füllt eure Schubladen in jungen Jahren!“

Es macht Spaß, in der lichten, offenen „Valentiny Foundation“ den oft skulpturalen Entwürfen dieses Luxemburgers auf die Spur zu kommen, der über sich sagt: „Manchmal entwerfe ich ein Gebäude und merke erst hinterher, dass ich genau das schon vor 20 Jahren skizziert habe – quasi 1:1.“ Ist das unheimlich?

Francois Valentiny glaubt, dass man in jungen Jahren seine Schubladen mit Ideen und Kreativität „füllen muss“. Später gehe es dann nur noch ums Ordnen und Umsetzen, meint er. Und darum, seine Lebenserfahrung einfließen zu lassen. Auch bei ihm war das so: „Die Weinlandschaft, die Mosel, die Menschen, die hier meist durch Handwerk ihr Geld verdienten – das alles hat mich stark geprägt. Meine Bezugspunkte sind immer die gleichen geblieben. Auch wenn ich im Lauf der Jahre eine neue Formensprache entwickelt habe, so ist das doch alles stark von dem beeinflusst, was ich früher hier in Luxemburg erlebt und gesehen habe.“

Sich Grenzen bewusst machen und sie immer wieder überschreiten

An seinem Heimatland Luxemburg schätzt Francois Valentiny die Einflüsse, die die Heimkehrer mitbringen. „Das ist unser intellektueller Reichtum, dass die meisten jungen Leute erst einmal woandershin gehen, um zu studieren, um die Welt zu sehen. Dann kommen sie mit ganz neuen Erfahrungen zurück und können auf das, was sie hier als Kinder und Jugendliche erfahren haben, aufbauen.“ Für Valentiny gehörte dazu neben der Mosel, den Handwerksleuten und dem Wein auch das Thema Grenzen – sich diese bewusst machen und sie immer wieder überschreiten. Die echten draußen; und auch die im Kopf.

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Valentinys Werke an der Mosel
Reiseziel(e): Mosel

In Remerschen hat Valentiny mit seiner „Valentiny Foundation“ quasi ein Basislager aufgeschlagen. Hier können Besucher anhand von Modellen und Zeichnungen sehen, wie der Architekt arbeitet und wie sich sein Werk über die Jahre entwickelt hat.