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running

25 Jahre Weltkulturerbe Altstadt Luxemburg: Das kann man bei Unesco-Rundgängen erleben. Oder man wirft sich in den Laufdress und schließt sich der „FatBetty.Run“-Laufcrew an.

FOTOS MIKE ZENARI

Luxemburg-Hauptstadt, Donnerstag, gegen 18 Uhr. Das „Independent“-Café füllt sich. After-Work-Atmosphäre, angeregtes Geplauder. Rund um einen großen Tisch sammeln sich die ersten Läufer: Die meisten von ihnen tragen das schwarze Crew-Shirt mit der Aufschrift „FatBetty.Run“. Ganz gleich, ob es draußen regnet, schneit oder die Sonne strahlt – „die Bettys“ treffen sich jeden Donnerstagabend zum Lauf durch die Hauptstadt. Erst der „Run“, danach ein „After-Run-Bier“ – oder auch zwei oder drei. Die Stimmung: locker-verrückt.

„One Little Spark of Madness“

Sie verabreden sich über Facebook, und die Community wird immer größer. Das Ziel: gemeinsam durch Luxemburg rennen, als große, fröhliche Truppe, teilweise über 50 Sportler. Der Ablauf ist so einfach wie möglich. Jeder, der dabeisein möchte, kann spontan vorbeikommen und sich der Gruppe anschließen. Umziehen können sich die Teilnehmer hinten im „Independent“-Café, wo auch die Wertsachen weggesperrt werden. Zehn Kilometer in zirka einer Stunde – „Gut zu schaffen, da kann man zwischendurch auch mal stehen bleiben und Fotos machen“, sagt Dan, einer der vier Gründer der Truppe.

Mit dem „FatBetty.Run“ wird die Stadt ganz eindrücklich erlebt – beim „Sightrunning“. Gemeinsam durch die Hauptstadt zu laufen, ist für die Teilnehmer ein großartiges Gefühl; es entsteht eine Energie, die die Community jede Woche stärker zusammenschweißt.

Während des Laufens ist es leicht, neue Kontakte zu knüpfen. „Es ist einfach lustiger als Bande!“, sagt Ricky, der seit zwei Jahren mitmacht. Zwischen den Läufern hätten sich schon viele Freundschaften entwickelt.

„Beim FatBetty.Run bin ich immer supergerne dabei“, schwärmt Nikki. „Im Sommer sieht man die Stadt dabei anders als im Winter, es ergeben sich immer neue Blickwinkel.“ Das Team achte darauf, dass auf den Strecken schöne Stationen dabei seien – natürlich Unesco-Stätten inklusive. Die Abtei Neumünster im Grund etwa sei bei fast jedem Lauf fester Bestandteil. „Manche, die mit uns laufen, sind nur ein paar Wochen in Luxemburg und lernen durch uns Ecken kennen, die sie sonst nicht sehen würden“, sagt Dan. „Wir sind schwitzendes Multikulti“, sagt Yves lachend. „Beim Laufen gibt es keine Hierarchie. Job, Alter, Nationalität oder spezifische Sprachkenntnisse spielen keine Rolle. Die Neuen sind bei uns gleich mittendrin in der Gruppe.

Im oberen Stockwerk macht sich Irina nochmal frisch. Die gebürtige Moskauerin und passionierte Trailläuferin freut sich wie immer auf die Run-Tour durch Luxemburg. „Die Stadt ist so abwechslungsreich, alte und neue Architektur harmonieren perfekt“, sagt sie, während sie ihre Stirnlampe gerade rückt. Sie mag vor allem Clausen und das Petrusstal. Wenn es im Winter früh dunkel werde, könne man eine wahre Stirnlampen-Prozession entlang der alten Festungsmauern sehen, wenn die „FatBetty.Runners“ dort entlanglaufen.

Dann, pünktlich um 18.45 Uhr, geht es los. Vor dem „Independent“-Café, gegenüber der neoklassizistischen „Cité judiciaire“, starten die Läufer. Das Tempo ist „relaxed“, es geht links herum entlang des Boulevard Franklin D. Roosevelt. Die Sportler passieren die Kathedrale und die beeindruckende Statue der „Goldenen Frau“, die mit dem Lorbeerkranz auf einem 21 Meter hohen Obelisken auf dem Konstitutionsplatz steht. Manche reden miteinander, andere konzentrieren sich auf ihren Rhythmus und die Strecke.

Schnell sind sie bei der Brücke „Pont Adolphe“ angekommen und flitzen auf die Passerelle darunter. Auf einmal ein markerschütternder Schrei, doch keiner erschreckt sich so richtig, manche lachen, andere grinsen in sich hinein. Es war mal wieder „Dic“ alias Stéphane, der immer für gute Stimmung sorgt – und für den „one little spark of madness“, den kleinen Funken Wahnsinn. Nach Stéphanes Schrei auf der Brücke zieht das Tempo etwas an. Immer weiter geht es, bergauf und bergab.

Der „dicke Berg“ - ganz dynamisch

Apropos bergauf: Was steckt eigentlich hinter diesem Namen „FatBetty“? Eine „dicke Betty“ scheint zunächst ja nicht so unbedingt naheliegend und passend für eine dynamische Laufcrew. Doch die kleine, irritierende Provokation ist durchaus Teil des ein bisschen verrückten Konzepts. „Wir werden öfter mal auf den Namen angesprochen, wenn wir mit unseren Shirts durch die Stadt rennen“, sagt Mitgründer Guido grinsend. Des Rätsels Lösung: „Fat Betty“ haben die vier „Urväter“ des Laufs ihren 23% steilen (Trainings-) Berg in Steinsel genannt, der „Montée Haute“ („Décke Bierg“ auf Luxemburgisch) heißt. Und „Fat Betty“ hört sich einfach ein ganzes Stück cooler und persönlicher an. Wie der Name eines Maskottchens vielleicht sogar.

Mit „FatBetty.Run“ durch die Stadt, das erleben immer mehr Einheimische, Touristen und Geschäftsleute. Samuel aus Manchester ist erst seit ein paar Monaten in Luxembourg. Er findet es super, dass man beim Tempo immer Rücksicht aufeinander nimmt und es nicht um den Wettbewerb geht: „It’s not about racing or pacing. It‘s about having some runfun together.

„Sightrunning“, Sport und Gemeinschaftserlebnisse in Luxemburg – so einfach geht das.

www.FatBetty.Run

Unesco in der Stadt:

„Visitor Center“: Im Lëtzebuerg City Museum wird Unesco lebendig.

www.citymuseum.lu


„Unesco-Biketour“: 9,5 Kilometer durch die Stadt, bergauf und bergab, kann man das Petrusstal sowie die Unterstädte Grund, Clausen und Pfaffenthal einfach mit dem Fahrrad erkunden und dabei eine Vielzahl von Attraktionen entdecken.


Unesco-Rundgang Altstadt und Festung“: Über 2,5 Kilometer erschließt die Unesco-Tour zu Fuß ein außergewöhnliches historisches Erlebnis in weniger als 90 Minuten. Sie umfasst:

  • Place de la Constitution
  • Parkanlage im Petrusstal
  • Heilig-Geist-Plateau
  • Grund Tor
  • Corniche
  • Bockfelsen-Kasematten
  • Stadtwall
  • Fischmarkt mit Kirche Sankt Michael
  • Großherzoglicher Palast
  • Place Clairefontaine
  • Liebfrauen-Kathedrale
     

Kasematten“: Das Tunnelsystsm stellt eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Luxemburg dar. Mit 17 von ursprünglich 23 Kilometern sind sie die längsten Kasematten der Welt. Über 100.000 Besucher besichtigen die ehemalige unterirdische Verteidigungsanlage jedes Jahr.

www.lcto.lu


Urban Time Travel“: Eine lebendige Reise in Zeiten, als Luxemburg noch Festungsstadt war, kann man im Pfaffenthal machen. Denn „Urban Time Travel“ ist eine Virtual Reality-Tour, bei der die Besucher durch eine VR-Brille direkt ins Jahr 1867 schauen können, kurz bevor die Festung geschleift wurde. In der virtuellen Welt erzählt Kutscher Jos den Passagieren Wissenswertes über seine Stadt; in der Realität rollen die Besucher mit einem Kleinbus über das Kopfsteinpflaster. Eine faszinierende Illusion.

www.urbantimetravel.com


Unesco − Wo noch?

Die „Springprozession“ in Echternach verwandelt die Abteistadt jedes Jahr wieder an Pfingsten in eine Hochburg pilgernder und rhythmisch hüpfender Menschen; sie ist immaterielles Weltkulturerbe.

www.unesco.lu


Offen und vielfältig

Mit seinem internationalen Flair und den vielen Sprachen, die durch die Straßen schallen, ist Luxemburg bei aller Beschaulichkeit eine moderne, pulsierende Metropole. Über 122.000 Menschen wohnen derzeit dort, Tendenz steigend. Die Einwohner stammen aus 164 verschiedenen Nationen; ganze 29% sind Luxemburger, alle anderen haben eine andere Nationalität.

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