Naturally EuropeEscapardenne lee trail

Der Weg
mit Freunden

Ab auf den Berg. Auch Luxemburg hat schwindelerregende Gratwanderungen, spektakuläre Felsen, saftige Wiesen, rauschende Bäume auf Hochplateaus zu bieten. Der 52 Kilometer lange „Lee Trail“ im Norden des Landes ist Auftakt des über die Landesgrenzen hinausgehenden „Escapardenne“-Weitwanderwegs. Drei Freunde haben ihn für sich entdeckt.

FOTOS ALFONSO SALGUEIRO

Die drei Freunde sind begeisterte Wanderer und Outdoor-Fans: Alfonso Salgueiro, 49 Jahre alt und freier Fotograf, lebt seit 2001 in Luxemburg; Josh Dauphinee aus Kanada, 38, macht den „Lee Trail“ heute zum ersten Mal; der Ire Ciarán Mackin, 36, freut sich, zusammen mit den anderen den mitunter abenteuerlichen „Lee Trail“ kennenzulernen. „Mal sehen, ob ich fit genug bin“, sagt Ciarán.

Die Etappen des „Escapardenne Lee Trail“ sind in drei Tagen für geübte Hiker gut zu machen. Rucksack auf die Schultern und los. Abtauchen, raus aus dem Alltag, rein ins Naturerlebnis im „Éislek“.

Der Trail führt die Wanderer über steile Pfade und schmale Felskämme am bewaldeten Tal der Sauer und der Wiltz entlang. Los geht es in Ettelbrück, Ziel ist Kautenbach. Zu entdecken gibt es gleich mehrere sehenswerte Aussichtspunkte, so etwa den Sauerschleifenblick von der Gringlee, Lipperscheid.

Die weiße Welle auf blauem Hintergrund ist die Markierung des „Escapardenne Lee Trail“.

„Lee“, das heißt „Fels“. In Luxemburg gibt es viele Orts- und Flurnamen mit diesem Wort – besonders oft im Norden und in der „Kleinen Luxemburger Schweiz“, dem „Müllerthal“.

1. Etappe:
Postkartenblicke und steile Anstiege

Ein Auf und Ab ist es von Anfang an. Von Ettelbrück aus geht es nach einem Croissant erst mal gemütlich los, vorbei am Denkmal des berühmten General Patton, einer zentralen Figur in der Ardennenschlacht. „Bourscheid Moulin“ ist ihr Tagesziel, dort wollen sie essen. In der Stille des Waldes und bei moderaten Anstiegen kommen die Männer ins Plaudern. Josh hat bereits in seiner Heimat Kanada immer viel in der Natur unternommen. Der Ire Ciarán freut sich generell über den vielen Wald in Luxemburg. „Den gibt es in Irland so nicht“, sagt er. Dann gehen die Männer wieder schweigend nebeneinander her.

Die Stille der Natur tut gut – und die Anstiege werden steiler. Immer wieder hält Alfonso an, zückt die Kamera, stellt sein Stativ auf, lichtet Blätter, Pilze, Bäume, kleine Details und große Ausblicke ab. Ein altmodisches Schild, das Alfonso fasziniert, weist zum Aussichtspunkt „Predigtstuhl“, wo der heilige Willibrord zu Gläubigen gesprochen haben soll. Von dort oben bietet sich der erste Postkartenblick auf die Sauer, die sich durchs grüne Tal schlängelt. Ab hier geht der „Lee Trail“ steil bergauf weiter, über ein Hochplateau und wieder hinunter, vorbei am Dörfchen Michelau. Nächster Postkartenblick zum Ende der Etappe, diesmal auf Schloss Burscheid von der „Gringlee“, dem „grünen Felsen“, aus. „Lee“, das heißt „Fels“. In Luxemburg gibt es viele Orts- und Flurnamen mit diesem Wort – besonders oft im Norden und in der „Kleinen Luxemburger Schweiz“, dem „Müllerthal“.

Letzter Halt: „Bourscheid Moulin“. Wer einen kurzen Abstecher auf den Campingplatz macht, kann mit der Sauer im Vordergrund noch eine wunderbare Aussicht auf das Schloss von Burscheid genießen, das über der Szenerie thront. An diesem Tag liegt leichter Nebel über dem Fluss. Nicht umsonst hat der französische Schriftsteller Victor Hugo das Schloss 1871 gemalt, denn Romantik, Schlösser und Nebel gehören eng zusammen.

2. Etappe:
Picknick mit Napoleon und „Der Finger Gottes“

Die zweite Etappe ist mit über 19 Kilometern und mehr als 900 Höhenmetern die wohl anstrengendste des Trails. Sie startet beim Campingplatz, dann überqueren die Wanderer die Gleise, es geht über einen Steilhang, vorbei am Dörfchen Burscheid bis hin zum ersten spektakulären Halt, dem „Napoleonsbäumchen“ auf dem Hochplateau, das auch „Napoleonsknäppchen“ genannt wird. Hier pfeift der Wind, denn außer dem Baum und der Aussichtsplattform gibt es nichts, das ihn stoppt. Der Baum ist ein kämpferisches Symbol der Freiheit. Der ursprüngliche wurde 1811 zu Ehren von Napoleon gepflanzt, 1940 von den Nazis gefällt. 1941 pflanzten die Menschen aus Burscheid heimlich einen neuen – die Linde, die heute noch dort steht.

Zurück im Wald wird wieder konzentriert gewandert: Ein steiler Anstieg, teils mit Geländer, man muss aufpassen, wo man hintritt. Der Weg führt vorbei am Aussichtspunkt „Rouschtert“ zum „Doigt de Dieu“, einem Felsen, der wie ein „Finger Gottes“ geformt sein soll. Alfonso ist froh über sein Weitwinkelobjektiv, mit dem er das bizarre Gebilde ganz aufnehmen kann. Josh legt sich derweil im Schatten des „Fingers“ hin, und Ciarán überlegt grinsend, welcher „Finger Gottes“ das hier sein könnte und was Gott den Wanderern damit sagen will. Ein bisschen außer Atem sind die Männer schon, doch die Laune ist ungebrochen gut. Josh steht auf und klettert ein wenig unterhalb des Fingers. Gefährlich sieht das aus. Aber er kommt heil zurück.

Der nächste Aussichtspunkt ist wieder ganz besonders geformt. Bröselnde Schiefersteinplatten erinnern an Blätterteig. Wer darüber kraxelt, kommt zur „Molberlee“: ein schmaler, 500 Meter langer Pfad, links und rechts fällt der karg bewachsene Fels steil ab. Luxemburger Ardennen par excellence. Um die „Molberlee“ herum wachsen viele verschiedene Pflanzenarten, darunter auch seltene – und die Heidelbeere, auf Luxemburgisch „Molbier“. Sie gab dem Grat seinen Namen. Wieder einmal genießen die Männer die Ruhe. Bis ein Mountainbiker vorbeiflitzt. Nervenkitzel findet man hier also auch. In dem Dorf Hoscheid endet die zweite Etappe.

3. Etappe:
Klangweg für Spielkinder und Bier vor den Holz-Pods

Von Hoscheid nach Kautenbach sind es knapp 15 Kilometer. Für „Spielkinder“ gibt es hier ein besonderes Highlight: den „Klangwee“, einen Klang-Erlebnis-Weg mit 17 verschiedenen Stationen. Er beginnt in der Ortsmitte. Manche lassen sich mit eigenen, aus Holzstöcken improvisierten oder ausgeliehenen Sticks bespielen. Josh und Cairán haben schon bei der ersten Etappe Spaß: Haut man kräftig auf die flachen Metallgebilde, ertönen die verschiedensten verrückten Geräusche – elektronisch. Und sogar das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Passt ja. Es gibt aber auch kontemplativere Klangspiele. Etwa die beeindruckende Holzkonstruktion, an deren oberen Ende sich Windspiele sanft bewegen. Das ist Meditation. Auch Familien mit Kindern sind hier anzutreffen. Denn den sechs Kilometer langen Klangweg kann man unabhängig vom „Lee Trail“ gehen.

Alfonso, Josh und Ciarán lassen die Instrumente hinter sich. Der Lee Trail führt weiter durch das Schlindertal. Es beherbergt die Kapelle Saint-Michel, die romantische Einsamkeit ausstrahlt – ebenso wie das Geisterdorf Oberschlinder, in dem niemand mehr lebt. Von früher 20 Häusern stehen nur noch zwei, der letzte Bewohner zog 1948 weg – nach dem entbehrungsreichen Zweiten Weltkrieg. Bereits vor der Ardennenoffensive waren viele Bewohner in die USA ausgewandert.

Auch die dritte Etappe enttäuscht nicht, was spektakuläre Aussichtspunkte angeht. Über 50 Kilometer Weg sind geschafft. Unten fährt ein Zug vorbei und hält am Bahnhof Kautenbach – der letzten Station. Jetzt ist es nicht mehr weit. Die Sonne geht unter. Bergab geht es schnell.

Über 50 Kilometer Weg sind geschafft. Der Campingplatz Kautenbach lockt mit seinen urigen Holz-Pods. Vor so einem Pod trinken die drei ihr wohlverdientes Bier. Auf die Freundschaft.

Escapardenne Lee Trail:

2.000 Höhenmeter auf 52 Kilometern


Beeindruckende Aussichtspunkte


Leading Quality Trails – Best of Europe“-Zertifikat


Herausragende Naturräume


Wegweiser: weiße Welle auf blauem Hintergrund;
identisch mit denen des Escapardenne Éislek Trail und in beide Richtungen markiert

Drei Etappen:

1. Von Ettelbrück bis Burscheid-Mühle: 17,8 km; Schwierigkeit: schwer
2. Von Burscheid-Mühle bis Hoscheid: 19,3 km; Schwierigkeit: schwer
3. Von Hoscheid bis Kautenbach: 14,6 km; Schwierigkeit: mittel


Mit Ankunft in Kautenbach können ambitionierte Wanderer auch gleich den Escapardenne Éislek Trail beginnen, der von dort startet. Beide Wanderwege gehören zu „Leading Quality Trails – Best of Europe“ und haben eine Gesamtlänge von 158 km. In Luxemburg immer nahe der Zugstrecke und somit optimal erreichbar schlängelt sich der Fernwanderweg durch das Ardennermassiv und lockt sportliche Wanderer auf der Suche nach ursprünglicher Natur.

Höhepunkte:

General Patton-Denkmal Ettelbrück. Adresse: Avenue J.-F. Kennedy, L-9053 Ettelbrück


Schloss Burscheid etwas abseits des Weges


Fernsicht vom „Napoleonsknäppchen“. Höchste Erhebung auf dem Wanderweg


Sauerschleifenblick von der „Gringlee“, Lipperscheid. Parkmöglichkeit am „Hotel Leweck“ in Lipperscheid


Nahezu alpiner Bergkamm „Molberlee“, Hoscheid


Panorama-Aussichtspunkt „Hockslee“, Kautenbach

Praktische Infos:

Kostenfreie Parkplätze am Bahnhof Ettelbrück und Bahnhof Kautenbach


Zug- und Busverbindungen unter www.mobiliteit.lu. Seit März ist der öffentliche Nahverkehr in Luxemburg gratis!


Genügend Essen und Trinken mitnehmen - unterwegs gibt es nur wenige Verpflegungsmöglichkeiten


Pauschalangebot „Wandern ohne Gepäck“ möglich


Detail-Informationen, Kartenmaterial und mehr:
Telefon: (+352) 29 04 04 1
info@escapardenne.eu
www.escapardenne.eu

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