An der Wiege der Reisefreiheit

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Dauer: 4 Etappe(n)

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Beschreibung der Besichtigung

Halb-Tagestour entlang der Luxemburger Mosel.

Die Luxemburger Mosel erinnert sich

Die Halbtagestour entlang der Luxemburger Moselle bietet Erstaunliches: nur die Wenigsten wissen, dass in Bad Mondorf die Nürnberger Kriegsprozesse vorbereitet wurden. 1985, wurde an der Luxemburger Mosel, in Schengen, das Abkommen zur Reisefreiheit innerhalb 26 europäischer Staaten unterschrieben.

Die Reise führt ins Thermalstädtchen Bad Mondorf. Die Geschichte des Kurortes ist mehr als eindrucksvoll und besonders überraschend. Als weitere Etappe gilt Schengen, am Moselufer. Im Winzerdorf wurde der Vertrag zur Reisefreiheit für 400 Millionen Menschen aus 26 europäischen Staaten unterschrieben. Malerisch liegen die Weinstädtchen Remich und Grevenmacher am größten Fluss Luxemburgs. Doch der Schein trügt, denn "Stolpersteine" in den Bürgersteigen verraten ein tragisches Schicksal mehrerer jüdischer Familien unter der Nazi-Herrschaft.

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Etappe 1
Mondorf-les-Bains

Vor genau 170 Jahren öffneten die ersten Bäderanlagen in Bad Mondorf. 1886 wurde das Thermalbad als staatliches Kurbad anerkannt. Heute wird der Name als „Domaine thermal“(link) geführt.

Als sich gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts  der „Bäderantisemitismus“ in Deutschland und Österreich verbreitete, empfing Bad Mondorf gerne eine jüdische Kundschaft. Weltoffenheit ist eine typisch Luxemburger Eigenschaft. Bereits 1871, weilte Victor Hugo im vornehmen Kurort, bevor er in Luxemburg eine neue Heimat im Exil fand. Durch den Kulturkampf oder dem Deutsch-Französischem Krieg von 1870, Vertriebene fanden im Großherzogtum ebenfalls ein neues Zuhause.

So erstaunt es wenig, dass Mondorf bereits 1907 eine eigene Synagoge besaß; ein kleiner aber sehr vornehmer Bau in Sezessionistischem Stil. Sie blieb während des Krieges erhalten. Nach den Plänen des Architekturbüros Schemel-Wirtz renoviert, dient der schmucke Tempel heute als  kultureller Treffpunkt.  Sie fügt sich harmonisch in eine Architekturpromenade zu herrlichen Jugendstilvillen der vorigen Jahrhundertwende.

Umso mehr die jüdische Verfolgung in Deutschland Anfang der 30ger Jahre zunimmt, wird Bad Mondorf zum mehr und mehr beliebten Kurort semitischer Gäste. Man ist nahe Deutschlands, und doch auf politisch neutralem Boden. 3 Hotels öffneten damals exklusiv für jüdische Gäste  (Bristol, Hemmendinger, Gittler) und boten koschere Küche.

Auch das kulturelle Programm des Kurortes bot Highlights mit großen jüdischen Talenten. Der Auftritt des Pianisten Arthur Rubinstein ist bis heute in Erinnerung geblieben.

Nach dem Waffenstillstand 1945, wurden 59 Eliteführer des Dritten Reiches im « Palace-Hotel » in Bad Mondorf festgehalten. Sie warteten auf ihr Urteil beim Nürnberger Prozess. Unter den Kriegskriminellen befanden sich Hermann Göring und Joachim von Ribbentrop und Gerd von Rundstedt. Im „Central Continental Prisoner of War Enclosure No. 32“- so war das „Palace-Hotel“ damals umbenannt, wurden den Gefangenen zum ersten Mal die tragischen Bilder der Befreiung der Todeslager des Nazi-Regimes gezeigt worden. Douglas Kelleyn, Offizier des amerikanischen Geheimdienstes, betreute als Psychiater die Kriegsgefangenen im Nürnberger Gefängnis. Er führte in Bad Mondorf seine ersten Gespräche mit Hermann Göring. Mehrere Schautafeln im Domaine Thermal erinnern an die beeindruckende Geschichte des Badestädtchens.

In die Bürgersteine in Bad Mondorf sind 11  « Stolpersteine » eingelassen. Diese goldfarbig glänzenden Pflastersteine, erinnern an den letzten Wohnort verschleppter und ermordeter Bürger jüdischen Glaubens, oder an politische Widerstandskämpfer. Der deutsche Künstler Gunter Demnig hat das Konzept der « Stolpersteine » entwickelt. Namen und Lebensdaten erinnern an tragische Schicksale die sich genau an jenen Orten abgespielt haben, wo die Stolpersteine eingelassen wurden. 1935 zählte Bad Mondorf 53 Mitbürger jüdischer Konfession1935, 11 entkamen der Verfolgung nicht.

Sehenswürdigkeiten

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Etappe 2
Schengen

Der Winzerort "Schengen", gab seinen Namen für das wunderbare Projekt der Reisefreiheit in 26 europäischen Ländern. Es war 1985, am Moselurfer, in Schengen, als hier das erste Abkommen zur Reisefreiheit von über 400 Millionen Bürger unterzeichnet wurde. Der ebenfalls für seine edlen Moselweine geschätzte Winzerort, war aufgrund seiner geografischen Lage ausgewählt worden. Schengen bildet die Grenze des Benelux-Raumes mit Frankreich und Deutschland.

Europa-Zentrum

Eine Dauerausstellung zum Thema "Schengener Abkommen", den Aufgaben und den Freiheiten welche die Europäische Union für ihre Bürger erreichte, sowie eine Info-Point für Europafragen "Europe-Direct" gewähren einen reichhaltigen Einblick in das Friedens-Projekt "Europa".

Der Vertrag von Schengen regelt die Öffnung der Grenzen zwischen den europäischen Staaten, welche dieses Übereinkommen unterzeichnet haben. Es ist eines der stärksten Zeichen einer neuen Gesellschaft, welche offen ist, und auf gegenseitiger Unterstützung beruht. Nationalismus hatte zu verengenden Haltungen geführt und steht für den Ausbruch des 2. Weltkrieges.
Für europäische Bürger und ihre Familien, nennt sich der Raum des freien Personenverkehrs, "Schengen Raum".  Die Bezeichnung führt auf den gleichnamigen Luxemburger Winzerort zurück, wo am 14. Juni 1985 das Abkommen unter, damals noch, 5 Staaten unterzeichnet wurde. Die Ortsauswahl war nicht willkürlich, denn hier kommt der Benelux-Raum mit Frankreich und Detuschland (am Moselufer) zusammen.

Der Vertrag von Amsterdam am 2. Oktober 1997 hat dem Abkommen von Schengen offizielle Anerkennung verliehen. Heute bilden 26 Staaten den "Schengen Raum“. Der Vertrag von Lissabonn am 13. Dezember 2007, verstärkt die Bedeutung des Vertrags als "Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechtwesens". Diese Anerkennung ermöglicht die weitreichende Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justiz, und einheitliche Ausgaben von Reisevisen, gemeinsamen Stellungnamen zu Flüchtlingsfragen, Einwanderung, und Asylanträgen.

Die ausländischen Gäste, welche über ein Langzeit-Visum verfügen, können frei im Raum Schengen reisen.

Geführte Besichtigungen für Gruppen auf Anfrage.

Öffnungszeiten: November-März: Montag-Sonntag von 10h00 bis 17h00Uhr | April-Oktober: Montag-Sonntag von 10h00 bis 18h00 Uhr.
Geschlossen: 01.11 | 24.12 - 01.01

Sehenswürdigkeiten

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Etappe 3
Remich

Beim Einfall der deutschen Truppen am 10. Mai 1940, überquerten Soldaten die Grenzbrücke Remich-Nennig und zerstörten dabei die Grenzbarriere. Die Nazi-Besetzung Luxemburgs erwies sich rasch als Gewalt- und Terror-Herrschaft. 

17 von Künstler Günter Demnig entworfene, Stolpersteine erinnern an das tragische Schicksal jüdischer Familien in Remich. Ihre Namen und Lebensdaten sind in die gold-schimmernde Kupfer-Pflastersteine eingraviert: Regina Hilb-Bonem, Leopold Hilb, Erna Hilb, Fanny Meyer-Kahn, Arthur Meyer, Renée Hayum-Meyer, Leo Hayum, Emma Marx-Nathan, Felix Marx, Klara Herrmann-Kahn, Heinrich Herrmann, Myrtil Herrmann, Alice-Deichmann-Aron.

Alle wohnten hier, Keiner überlebte. 4 Wohnsitze dieser ausgelöschten Familien sind bis heute erhalten. Im Zusammenhang mit denen im Bürgersteig eingelassene Stolpersteine, werden die schrecklichen Geschehnisse der Judenverfolgung für Besucher nachvollziehbar.

2016 war Remich die erste Stadt in Luxemburg, welche einen öffentlichen Platz mit dem Namen der Shoah-Holocausts auswies.

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Etappe 4
Grevenmacher

Stolpersteine

Auf nur 2.811 Einwohner (1935), zählt das Städtchen am Ende des 2. Weltkrieger, 38 Zwangsrekrutierte in der Hitlerarmee, 28 Menschen welchen den Heldentod für die Freiheit gestorben sind und 7 jüdische Opfer in den Todeslager.  7 Stolpersteine sind in die Bürgersteige der Moselmetropole Grevenmacher eingelassen. Neun Geschäfte, davon vier Stoff- und Kleiderläden, säumten vor 100 Jahren die Hauptgeschäftsstraßen. 8 Mal im Jahr war ein Viehmarkt, wo die Viehhändler ihre Geschäfte machten. 1895 waren mehr als 100 der 2.530 Einwohner von Grevenmacher jüdischen Glaubens. Die kleine Gemeinschaft führt auf 1808 zurück, als per Gesetz das Tragen von Familiennamen zu Pflicht geworden war.

Bis dahin wurde der Haus Name nicht regelmäßig von jüdischen Bürgern getragen. Mit der Auflösung des Zollvereins (1919) verringerte sich ihre kommerzielle Tätigkeit. 1935 lebten nur noch 43 Juden in der Moselstadt. 37 von ihnen flohen nach dem Einfall der Nazitruppen  am 10. Mai 1940, nach Frankreich, die verbliebenen Männer und Frauen wurden in Ghettos oder Vernichtungslager deportiert. Von ihnen kam keiner zurück. Ihnen sind die 7 Stolpersteine vor ihrer letzten Wohnung gewidmet.

Stoplersteine findet man an folgenden Adressen im Stadtzenztrum: rue de Trèves (33), rue Sainte-Cathérine (38), rue de Luxembourg (25)  unf Grand’Rue (19).

Der jüdische Friedhof

1884 konnte die kleine jüdische Gemeinschaft in Grevenmacher ihre eigene Synagoge und hebräische Schule öffnen. Heute gibt es dieses Gebetshaus und Schule nicht mehr. Ansteckende Krankheiten im 19. Jahrhundert erlaubten fortan keine Leichentransporte mehr, sodass Bestattungen in den Gemeinden aus denen eine Familie ausgewandert war, nicht mehr möglich waren. Daraufhin kaufte die jüdische Gemeinschaft, 1893 ein privates Grundstück um ihren Friedhof einzurichten. Die Gemeinde hatte dem Projekt einwilligt. Bei der Besichtigung des Friedhofs fällt auf, dass die Gräber so angelegt wurden, dass sie auf beste Art die nur 5,8 a umgreifende Fläche nutzen konnten. 4 Gräberreihen sind rechts und links eines breiten Zentralweges angelegt.  Die beiden an der Rechten Seite gelegenen Reihen begreifen die ältesten Grabmonumente, die neueren befinden sich gleich am Eingang. 1897 finden hier die ersten Bestattungen statt: zuerst ein 17 jähriges Mädchen, kurz darauf, ein einwöchiges Baby. Nur ihre Gräber nehmen einen Sonderplatz ein, und lehnen sich an die Friedhofsmauer. Der jüdische Friedhof in Grevenmacher ist die 4. Israelische Nekropole des Großherzogtums, neben Luxemburg, Ettelbruck und Esch-sur-Alzette.

Der Friedhof in Grevenmacher zählt 43 Grabmonumente. 1988 wurde die letzte Grabstätte errichtet. Der Friedhof war nicht während der Kriegsjahre zerstört worden, sodass hier der Besucher en herrliches Kulturerbe entdecken wird.

Besichtigung auf Anfrage:
Gemeinde Grevenmacher
6, Place du Marché
L-6755 Grevenmacher
T +352 75 03 11 1

Kräizkapell

In wundervoller Lage, inmitten der Weinberge, hoch über der Mosel, liegt die „Kräizkapell“. Ihr Ursprung führt auf das Jahr 1737 zurück. Seit 2015 steht sie unter Denkmalschutz. Seit dem 15. Juli 1956 gedenkt die Vereinigung "Ons Jongen" alljährlich am zweiten Sonntag im Juli mit einem Gottesdienst in dieser Kapelle der Zwangsrekrutierten aus Grevenmacher, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Sie ist zum Wahrzeichen der Stadt Grevenmacher geworden.